Komm ins Grün | Stärke deine Resilienz

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Natur-Resilienz-Training

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann finde ich den Weg, den ich zurückgelegt habe, fast unglaublich. Mein Universum war ständig in Bewegung. Meist konnte mich nichts so richtig erschüttern. Und trotzdem habe ich in dieser Zeit so viele Tiefschläge erlebt, dass ich jedes mal dachte, jetzt gehe ich unter. 

Ich bin noch hier!

Das fühlt sich gut an. Mein Leben fühlte und fühlt sich immer wieder gut an. Lebenswert. Liebenswert. Ich möchte mit niemandem tauschen. Egal, wie sehr ich manchmal an meinem Weg zweifle. Ich bin gewachsen an den vielen verschiedenen Herausforderungen, die sich immer wieder auftaten. Für manch einen werden diese vielleicht klein und lapidar erscheinen. Aber woran machen wir das eigentlich fest? 

Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch hat seine ganz eigene Art und Weise, mit den Höhen und Tiefen in seinem Leben umzugehen. Der eine schafft es mit einer gewissen Leichtigkeit und fällt immer wieder auf die Füße. Ein anderer hat jedes mal extrem damit zu kämpfen, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Wie können wir uns das erklären? An einem kleinen Wort mit großer Wirkung:

Re·si·li·enz

/Resiliénz/
Substantiv, feminin [die]

BESONDERS PSYCHOLOGIE
    1. psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen | Quelle: Google

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir unsere Gesundheit nur unter dem Aspekt betrachtet, unsere Symptome nicht zu verschlechtern, wenn wir krank wurden. Ein Glück hat das gewissen Personen nicht gereicht. Unter anderem haben uns Aaron Antonovsky (Grundgedanke der Salutogenese) und auch Abraham Maslow (Bedürfnispyramide) gezeigt, dass es genauso wichtig ist, alles zu tun, damit es unserer Gesundheit besser geht. Mit positiver Psychologie und der Stärkung individueller Ressourcen, haben wichtige Ansätze Einzug in unser Leben gehalten. 

Der Begriff der Resilienz beschreibt es ziemlich gut. Damit ist gemeint, dass wir bei negativen Ereignissen, die unser Leben (für eine zeitlang) beeinträchtigen, nicht die Nerven verlieren, daran zerbrechen und als Folge daraus krank werden. Es geht um nicht viel weniger als unsere Psyche und unsere geistige Widerstandskraft. Ich behaupte, dass es oft leichter ist, physisch wieder auf die Beine zu kommen. Die Psyche rennt einer Heilung noch lange hinterher. 

Ich kann ein Lied davon singen. Mein Bandscheibenvorfall im letzten Jahr hat mich viel  Kraft gekostet. Nachdem ich die Schmerzen einigermaßen im Griff hatte und die Reha startete, kam ich körperlich relativ schnell wieder in Form, aber meine Gedanken, Ängste und Emotionen waren außer Kontrolle. Es hat ein gutes Jahr gedauert, meinem Körper wieder zu vertrauen und nicht jeden Schmerz als böses Vorzeichen zu werten. 

In dieser Zeit habe ich verstanden, was Resilienz bedeutet und dass ich davon eine Menge besitze, abgesehen von meiner Hysterie, die mich manchmal ereilt. Aber das ist mir bewusst und solange wir uns unserer Muster und Gedanken bewusst werden (können), können wir sie auch verstehen lernen und mit ihnen in Kontakt gehen. Natürlich kann man Resilienz nicht an einem einzigen Ereignis festmachen. Aber ich schrieb bereits, dass es in den letzten Jahren einige schwierige Momente gab, in denen ich auf meine Ressourcen zurückgriff, meist aber eher unbewusst. Das ist jetzt anders.

Komm ins Grün

Dass mir die Natur oft dabei geholfen hat, ganz besonders in extremen Situationen, bei Stress, bei mentalen Herausforderungen, oder wenn ich einfach mal nicht mehr weiter wusste, hat sich schon in meiner Kindheit gezeigt. Nur da waren es andere Themen und ich konnte es noch nicht einordnen, verorten. Es war für mich normal im Wald zu sein, durchs Grün zu streifen und eins zu sein mit der Natur. 

Ein Freund sagte mal zu mir, dass ich eine grüne Seele besitze. In mir wachsen feine Wurzeln, die zu einer erhöhten Aufmerksamkeit führen. Meine Hochsensibilität  hängt auch damit zusammen und trägt dazu bei. Meine Haut ist sehr sensitiv und ich nehme Naturphänomene an manchen Tagen überdeutlich wahr. Ich fühle sie und liebe diese Gabe. Manchmal kann es aber auch etwas unheimlich oder mystisch sein. Trotzdem halte ich mich nicht für etwas Besonderes, Ich habe einfach Glück gehabt, würde ich sagen. 

Somit war auch irgendwie klar, dass ich jetzt da bin, wo alles einen Sinn macht. Ein Kreis schließt sich. Angestoßen durch mein eigenes Burnout vor langer Zeit und dem Wunsch, einer ungesunden Arbeitsweise den Rücken zu kehren, habe ich mich auf den Weg gemacht. Zum ersten Mal entstand das Gefühl, da anzukommen, wo ich sein möchte und hingehöre. Es ist noch nicht perfekt und das muss es ja auch gar nicht sein, aber ich habe in meinen letzten Fortbildungen nochmal sehr viel mehr über mich gelernt. Vor allem, dass es nichts bringt, gegen meine Natur zu leben. 

Wie im Innen so im Außen

Die Natur spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Sie ist eine Freundin, oder mehr eine Vertraute. Immer da und sie wertet mich nicht. Sie zeigt mir, dass alles seine Zeit hat und ich die Dinge annehmen kann, wie sie kommen. Natur ist meine persönliche Ressource. Die Wichtigste wahrscheinlich, auf die ich bei Herausforderungen immer wieder zurückgreifen kann. 

Genau das, hat mich bei meiner Ausbildung zur Natur-Resilienz-Trainerin® so angesprochen. Trotzdem beschäftigte mich schon lange davor die Frage, ob Resilienz angeboren ist und/oder, ob man sie auch erlernen kann. Letzteres ist der Fall. Wenn ein Mensch bereits viel davon in sich trägt, ist es natürlich einfacher dem Leben zu begegnen, wenn es mal ruckelt. Umso erfreulicher war die Erfahrung, dass es Möglichkeiten gibt sie noch zu steigern, oder auch erstmal mit der kleinsten Einheit davon anzufangen. 

Was genau sind nun die Ziele von einem Resilienztraining?

  • Stärkung des seelischen Immunsystems durch die Mobilisierung der bereits im Menschen verankerten Schutzfaktoren und individuell vorhandenen Ressourcen. Dabei ist wichtig, den Menschen in seiner Gesamtheit – als Individuum sowie als Teil der Gesellschaft – zu begreifen, weil nur so die gesamte Bandbreite von Fähigkeiten sichtbar wird.
  • Das Wiedererwachen und Stärken altbekannter Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Neuerweckung noch unbekannter Qualitäten tragen dazu bei, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.
  • Widerstandsressourcen verhelfen zu Mut und Zuversicht in herausfordernden Situationen und bieten die Sicherheit, im Krisenfall vertrauensvoll aus sie zurückzugreifen. 
  • Resilienz ist mehr als das Anpassen an widrige Umstände oder das Durchstehen solcher. Es geht darum, sich selbst zu erkennen, sich besser zu begreifen und energieschonend und mit Selbstfürsorge zu handeln.*
Natur-Resilienz-Training
Verbindung schaffen durch die Natur


Warum Resilienz-Training in der Natur?

Natürlich geht es auch ohne, aber nach diesen intensiven Tagen der Ausbildung, die zu einem großen Teil draußen stattfanden, bin ich der Überzeugung, dass es genau darum geht: 

Seiner Natur näher zu kommen. 

“Mit dem, was uns die Natur zeigt, können wir für unser Leben lernen, Kraft tanken und unsere Seele erholen und wachsen lassen.”*

Wir brauchen die Natur, denn wir sind immer noch ein Teil von ihr. Nur haben wir im Laufe der Jahre und Zeiten von Industrialisierung den Zugang zu ihr immer mehr verloren. Unser Leben ist oft unnatürlich und wir leben immer mehr gegen unseren Rhythmus. Jahreszeiten, Tag- und Nacht-Wechsel, unser eigener Biorhythmus sind nur einige Faktoren, die wir immer mehr außer Acht lassen. Die Wirkungskraft der Natur auf Körper, Geist und Seele ist aber gesundheitsfördernd. Schon Hildegard von Bingen nannte es Grünkraft. Und mein Lieblingsbuch von Clemens G. Arvay mit dem schönen Namen „Der Biophilia-Effekt“, hat mich schwer beeindruckt und inspiriert. 

Der Wirkungsraum der Natur spielt damit eine entscheidende Rolle beim Resilienz-Training. Abschalten, Entspannen, die Stimmung aufhellen, sich selbst spüren und wahrnehmen, Neues entdecken und die eigene Persönlichkeit, sowie das eigene Bewusstsein weiterentwickeln. Wo könnte das besser geschehen als da draußen? 

Life is outside

… und ist einer meiner Lieblingssprüche und beschreibt auch meine innere Einstellung. Die Natur in uns kann draußen wieder wachsen und gedeihen. Nur ein paar Minuten im Wald helfen Körper, Geist und Seele, sich besser zu fühlen. Der Fokus aus der Arbeitswelt verändert sich im Außen. Wir können durchatmen, loslassen, nichts tun. Es gibt wissenschaftliche Studien, die das untermauern und den gesundheitlichen Nutzen der Natur messbar und nachweisbar machen. // Mannheimer Studie zum Nutzen von Grün

Bei den Übungen während der Ausbildung wurde mir erneut bewusst, wie verschieden wir alle sind und das jeder seine ganz eigene Sicht auf die Dinge hat. Verbunden haben wir uns trotzdem miteinander mit Unterstützung der Natur und unsere Erfahrungen zusammengetragen. Die Natur öffnet unseren Geist, wir werden weicher und zugänglicher. Die Gruppe hatte sich nach nur einem Tag bei unschönstem Wetter gefunden und sich gegenseitig getragen. Ein tolles Erlebnis. Gerade für mich, die so gerne alleine durchs Grün zieht. 

Am vorletzten Tag hatte ich ein Aha-Erlebnis. Dass, was ich dort erlebte, war ja nicht nur die Aneinanderreihung von Lehrmaterial und Übungen, welche ich an andere in meinen eigenen Trainings einmal weitergeben möchte. Es geht um Selbsterfahrung und um das Erleben der eigenen Gefühle, Emotionen und Selbstwirksamkeit. Wie sonst, sollte ich mich in andere Menschen einfühlen? Was beschäftigt sie vielleicht? Was kann wohlmöglich angetriggert oder losgetreten werden?

Dieses Erlebnis zeigte mir deutlich, wie sehr ich an meiner Vergangenheit hänge und wie sehr mich dieser Zustand ausbremst. Ich habe mich nie getraut darüber nachzudenken, Vertrautes loszulassen, meine Wünsche laut auszusprechen und meine Selbstständigkeit zu verändern. Ich empfand es als kleinen Verrat. Mit einer einfachen visuellen Übung und der dazugehörenden Aufgabe, wurde mir das plötzlich schmerzlich bewusst. Tränen liefen, als ich mich und meinen Zustand erkannte. Schmerzhaft aber auch befreiend. Auf einmal hatte ich es verstanden, was schon lange da war. Die Natur hatte es mir deutlich gespiegelt.

Die Menschen in meiner Gruppe haben es ausgehalten und mich gehalten. Auch das gehörte dazu. Es war für alle selbstverständlich. Jeder konnte sich zeigen und wurde angenommen. Falsch zu sein, oder nicht dazuzugehören, spielte keine Rolle in meinen Gedanken. Ich war einfach dankbar für diesen Erfahrungsschatz. 

es ist ok motionen zu haben | the gnani
Bildquelle: the gnani

Welch weise Erkenntnis und genau mein Thema. Unter all den Erfahrungen, die ich bei der Ausbildung gemacht habe, ist dieser Satz vielleicht die wichtigste Erkenntnis für mich persönlich. Ich lasse es mal offen. Nur so viel vielleicht: Da ich bereits im letzten Winter den Natur- und Achtsamkeitstrainer abgeschlossen hatte, in dem diese Worte auch eine Rolle spielten, kam er nun nochmals unbändig nach außen. 

Wir können manchmal nicht aus unserer Haut. Und ich bin ein Mensch voller Emotionen, die mir oft genug um die Ohren fliegen. Gelernt habe ich nun aber, dass es für mich gesünder ist darauf zu achten, meine Impulse mehr zu kontrollieren. Es hilft mir nicht, gleich loszupoltern und Unüberlegtes zu sagen und zu tun! Meine Ambivalenz mit diesem Thema ist schon bezeichnend und manchmal muss ich darüber lachen. Selbsterkenntnis ist das Ziel bei jeder eigenen Reise. Ich hoffe, sie hat euch gefallen!


Da ich gerade dabei bin mein Angebot zu verändern, möchte ich euch den Hinweis geben, dass das Thema Resilienz und auch Achtsamkeit  im Leben von Menschen mit Hunden eine wichtige Rolle spielen kann. Gerade bei Verhaltensproblemen fühlen wir uns oft hilflos und ausgelaugt. Für diese Menschen kann ein Natur-Resilienz-Training ein erster Schritt zur Veränderung sein.  


Ich möchte mich ganz besonders bei der Deutschen Akademie für Waldbaden und Gesundheit  bedanken, für diese beiden intensiven und absolut hochwertigen Ausbildungen, die ich besuchen durfte. Die unterschiedlichen Ansätze haben mir ein Spektrum an Möglichkeiten und Erfahrungen vermittelt, welches mir einen großen Handlungsspielraum für meine Arbeit gibt. Und ich freue mich definitiv auf ein Wiedersehen im Winter 2022!

*Quelle ©Deutsche Akademie für Waldbaden und Gesundheit

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