Entschuldigung – Ich habe Ihnen den Tag versaut!

Kommentare 3
Entschuldigung! Ich habe Ihnen den Tag versaut | der weisse hund

“Aber sie mir schon des Öfteren!“, denke ich später und muss tatsächlich lachen. Dieses Szenario gibt es wirklich. Nicht nur in meiner Welt mit Hund. Fast jeder andere Hundehalter hat wahrscheinlich seinen persönlichen Konfliktgeber da draußen, wenn er mit seinem Vierbeiner unterwegs ist.

„Entschuldigung – Ich habe Ihnen den Tag versaut!“, hätte ich ihm gerne nachgerufen, aber er hat mich dieses Mal nicht überholt. Meine Ansprache hat ihn tatsächlich erreicht und aus dem Konzept gebracht. Zum ersten Mal. Er ist einfach stehen geblieben, irgendwo im Wald.

Achtung – Alter Mann auf E-Bike

Ich möchte nicht diskriminierend sein, aber ich komme heute nicht drum rum. Denn seit dem es diese tollen Drahtesel mit kleinem Motor gibt, werden alle älteren Herrschaften, besonders Männer, zu Eroberern der Straßen und Waldwege, die man ab einem gewissen Alter nicht mehr so gerne befährt. So auch mein spezieller Freund.

Er wird so Ende 70 sein und ich treffe ihn jedes Mal, wenn ich nicht damit rechne und etwas früher als sonst unterwegs bin. Er saust die Berge hoch und runter aber man hört ihn nicht. Was ich aber höre, ist sein Hund. Ein gut gebauter, korpulenter Apportierhund. Ich will nicht sagen, dass er fett ist, aber mich wundert es schon ein bisschen, dass er bei dem Laufpensum, was er absolviert, nicht gertenschlank ist. Ich „erkenne” ihn also am Gewicht, wenn er von hinten heran donnert. Die Erde bebt quasi. Heißt aber auch, er ist bereits ganz nah!

„ACHTUNG!!! DER IST GAAAAAAAANZ LIEB!!!!

„DER WIEGT ABER MINDESTENS 50 KILO!!!“ schreit es in mir.
Aber es ist zu spät, wie immer. Wie oft habe ich ihn schon gebeten, den Hund nur für ein paar Meter anzuleinen? Ich habe das Zählen aufgegeben. Wie oft habe ich ihm den Unterschied und das Risiko zwischen 5 und 50 Kilo erklärt? Keine Einsicht. Ein müdes Lächeln oder eher Be-lächeln der zierlichen kleinen Frau, die da mit ihrem zierlichen kleinen Hund durch den Wald spaziert.

„Niedlich.” Das findet der sabbernde Schoko auch! Er liebt Lykke, aber ich vermassle ihm die Tour so gut ich kann, denn ich springe ihm in den Weg. Wenn – ich schnell genug bin.

Meine Geduld ist am Ende.

Dieses Mal reicht es mir! Schräg gegenüber von uns steht ein anderer Mann mit Hund an der Seite des Weges. Ich hatte Lykke deswegen extra angeleint, als das wilde Pärchen von hinten anfliegt. Der Standardsatz wird in den Wald gebrüllt und ich fluche innerlich. Bei jedem Aufeinandertreffen ringe ich um meine Souveränität und um Sachlichkeit. Ich möchte nicht böse werden und mich auch nicht vor meinem Hund aufregen. Aber heute geht es nicht anders.

Ich sage ihm alles, was mir zu seinem Scheißverhalten (Sorry) einfällt und er versucht sich zu winden. Alles Quatsch, ich solle mich entspannen! Dann weise ich auf die Brut und Setzzeit hin, die gerade losgeht.

„Das interessiert mich überhaupt nicht und meinen Hund auch nicht!“

Ich frage ihn, ob der Förster das wohl auch so sehen wird, wenn ich mich nun ernsthaft über ihn beschwere. Er wird wütend aber seine Sicherheit schwindet, denn der andere Mann gegenüber hört zu und macht große Augen.

Ich lasse ihn stehen und mich nicht klein reden. Heute bin ich RIESIG! Und ich rege mich wirklich kaum auf innerlich, so wie sonst, weil ich mich unfähig fühle, diesen Blödmann zu bändigen. Tatsächlich bleibt er stehen und lässt nun seinen Hund auf den anderen an der Seite los. Erst denke ich, na toll, jetzt tratschen die beiden über mich. Weit gefehlt.

Von weitem bekomme ich noch mit, dass er den nächsten Einlauf kassiert und auf wenig Verständnis stößt. Damit hat er nicht gerechnet. Sein dicker Hund ist jetzt angeleint und versteht die Welt nicht mehr. Ich bin schon ziemlich weit entfernt und drehe mich immer wieder um. Er kommt nicht. Er ist wohl umgedreht. Oder nachdenklich zurückgeblieben?

Die Hölle, dass sind die anderen!

Diese Denke führt zu nichts. Auch, wenn Hunde gar nichts Böses im Schilde führen, wie der Schoko. Aber er würde Lykke unter sich begraben, wenn er mit vollem Körpereinsatz auf sie drauf springt, „weil er sich ja so freut“. …

Wie kann man so ignorant sein? Und dann wundern sich Menschen, wenn andere Menschen aggressiv werden, mit Reizgas rumlaufen oder gar nach anderen Hunden treten, weil sie gar keine andere Handhabe mehr haben. Denkt mal drüber nach. Das ist schrecklich und ich möchte niemals zu solchen Mitteln greifen, aber im Fall der Fälle verteidige ich MEINEN Hund. Wahrscheinlich bis aufs Blut.

Jetzt freue ich mich fast auf ein erneutes Zusammentreffen mit Schoko und seinem “Herrchen”. Das Gute an diesem Konflikt ist, ich kann lernen, damit umzugehen. Ich weiß auch, dass der andere Vierbeiner einfach nur Masse hat, die schwer zu bremsen ist und gerne Kontakt aufnehmen möchte. Ich hätte “eigentlich” nichts dagegen, aber nicht in dieser Art und Weise.

Wer weiß, vielleicht hat Herr E-Bike auch etwas gelernt?! Was meint ihr?

Sharing is caring
KategorieHundeverhalten Kommunikation Mensch

von

Hei, hier schreibt Nina und ab und zu auch Lykke, die mich seit Ende 2018 nun begleitet. Meine kleine weisse Hündin Frida, musste ich im gleichen Jahr gehen lassen. Lykke und ich lieben es, in der Natur unterwegs zu sein und von unseren Abenteuern zu berichten. Mehr über uns und über meine Arbeit als Coach und Hundetrainerin, findest du auch bei Facebook und Instagram.

Kommentare 3

  1. Man kann wirklich nur hoffen, dass der E-Bike Mann nun ein bisschen verstanden hat, dass ein Hund an der Leine gar nichts schlechtes sein muss. 😉
    Ich hatte auch schon die ein oder andere Begegnung mit den unterschiedlichsten Radfahrer-Typen und muss sagen, dass leider die wenigsten Verständnisvoll reagieren. Das ist leider so und bei dir kein Einzelfall. Trotzdem hoffe ich immer, dass der ein oder andere Radfahrer aus solchen Situationen lernt. Vor allem, wenn er dann noch Hundehalter ist. Dann sollte eigentlich mehr Verständnis da sein.
    Liebe Grüße
    Steffi

  2. Solche Menschen wir es immer geben. Die Welt wird immer egoistischer immer mehr Menschen denken nur noch an sich. Was interessieren mich andere haubtsache mir geht es gut. Also ich bin in der Schule so erzogen würden das ich immer besser sein muss wie die anderen. Ich sollte mich immer fragen was währe das beste für mich.
    In meiner Arbeitwelt würde es dann schlimmer. Da hieß es dann bring deine Leistung wie ist mir egal.
    Vielleicht ist das normal als dummer Haubtschüler so behandelt zu werden.

  3. Ähnliches habe ich schon erlebt, als die 7 Kilo leichte Nella von einem ausgewachsenen Dobermannrüden gejagt und niedergeknüppelt wurde. Und quiekt und den Schwanz einzieht. Einem erwachsenen Mann zu sagen, dass das nicht wie seiner Aussage nach „lustig“ ist und „guck mal der Kleine, haha“, sondern dass mein Hund so offensichtlich wie es nur geht zeigt, dass er große Angst hat. Wenigstens zurückrufen könnte man seinen Hund. Einem unsicheren Hund noch mehr Unsicherheit zu geben und sich darüber aus Unwissenheit noch kaputt zu lachen … naja, da ist auch meine Geduld am Ende gewesen. Lustig ist das jedenfalls nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.