Der Wunsch nach Nähe braucht klare Grenzen

Kommentare 4
Der Wunsch nach Nähe, braucht klare Grenzen

Wir alle möchten unseren Hunden möglichst nah sein und ich denke, dies ist ein durchaus menschliches Bedürfnis. In Kontakt kommen und den anderen „spüren“. Da geht es erst mal garnicht um das Körperliche, sondern um die mentale Ebene. Viele sprechen dann meistens von der Bindung zum Hund oder einer guten Beziehung. Für manche geht es aber auch um Kontrolle und ihr Einwirken auf den Hund. Kann man Nähe einfordern? Ist Nähe für die Mensch-Hund-Beziehung durchweg sinnvoll und auch fördernd?

In den letzten Tagen, kam das Thema „Nähe“ ganz wie von selbst immer wieder auf. Erst bei einem Gespräch mit einer Freundin und dann bei einem Besuch unserer Tierheilpraktikerin. Wie wir darauf kamen, war immer ein anderer Ansatz aber es hat mich jedes Mal auf’s Neue nachdenklich gemacht. Beide haben unabhängig voneinander etwas ähnliches erzählt.

„Wir sind immer in Kontakt mit unseren Hunden. Manche Menschen spüren das und sind empfänglich dafür. Sie „wissen“ einfach um die Bedürfnisse ihrer Vierbeiner, sie „reden“ miteinander. Aber manchmal muss man auch „zu machen“ um nicht darin zu versinken.“

Es gibt verschiedene Ansätze, die sich damit auseinandersetzen: Tierkommunikation, Quantenphysik, morphogenetische Felder, Spiegelneuronen, Hochsensibilität oder auch kurz unsere Intuition. Schlagwörter, mit denen man sich beschäftigen kann. Muss man aber nicht. Diejenigen, die dieses spezielle Gefühl haben, wissen darum, bzw. sie finden irgendwann von selber dorthin.

„Unsere Hunde sind so nah an uns dran, an unserem Leben, oft sogar näher als der eigene Partner. Dann kann man auch annehmen, dass der Hund immer spiegelt, er kann garnicht anders. Nur ein Hund, der vom Wesen her eher uninteressiert ist an seinem Menschen, sehr eigenständig ist, der nimmt wahrscheinlich weniger mit. Er grenzt sich ab, unbewusst. Das ist wichtig, sonst dreht Hund auch schon mal durch.“

Im Umkehrschluss hieße das, dass es vielen Hunden schwer fällt, ihren Menschen nicht zu lesen und nicht zu spiegeln. Kann er überhaupt aktiv Einfluss darauf nehmen? Ist er sich dessen bewusst? Auch er muss sich abgrenzen können, um nicht in den ganzen Verwirrungen seines Menschen unterzugehen, wenn dieser seinen Vierbeiner als menschlichen Ersatz wählt.

Der ständige Begleiter an der Seite seines Menschen ist schön aber wir müssen ihm auch eine Pause gönnen. Ein Hund muss auch nur Hund sein können. Dass dies immer wichtiger wird, mag sich echt schräg anhören aber es ist so. Aber dementsprechend muss der Mensch (!) aktiv Grenzen setzen, damit er seinen Vierbeiner zur Ruhe kommen lässt.

Der Wunsch nach Nähe, braucht klare Grenzen
Möglichst nah dran.

Wollen wir Nähe um jeden Preis und ist sie immer sinnvoll?

Ich glaube nicht. Nähe braucht auch Distanz und umgekehrt, um sich gesund zu befruchten. Psychisch aber auch physisch. Nicht jeder Hund kann Nähe gut ertragen und so ist es auch mit Menschen. Die Gründe dafür sind vielseitig. Es gibt sensible Typen bei Hunden als auch Menschen und genauso gibt es die, die eher mit dickem Fell durch die Welt ziehen und die man nicht so leicht umschubsen kann.

Für den Hund ist nur vieles viel „normaler“ als für uns. Z.B. wenn wir eben nicht ständig aufeinander hocken. Jedem von uns fällt bestimmt immer mal wieder auf, wie schwierig es ist, seinen Vierbeiner nicht anzufassen. Oder etwa nicht?

Jetzt frage ich euch, würde es euch gefallen, ständig angefasst zu werden? Beim Schlafen, beim Arbeiten, beim Lesen oder bei einem Gespräch mit einer anderen Person? … Es gibt noch unzählige Situationen, in denen ich persönlich ein Anfassen unerträglich fände, grenzüberschreitend.

Aber was ist mit unseren Hunden? Haben wir sie schon mal gefragt?

Eine enge Verbindung kann nicht alleine darauf resultieren, körperlich mit unserem Vierbeiner zu sein. Darunter verstehe ich vor allem schmusen, kuscheln, loben, eben berühren. Ich würde sogar behaupten, dass die seelische Verbindung erst mal eine viel größere Rolle spielt oder anders ausgedrückt, dass Vertrauen, welches durch unser kompetentes Verhalten und Handeln entsteht, gegenüber unseren Hunden.

Ein Hund, der sich mental auf mich verlassen kann, wird sicherer durch seine/unsere Welt gehen, als ein Hund, den ich nur mit körperlicher Aufmerksamkeit überschütte.

„Der Wunsch nach Nähe wird bei uns aber meist größer, wenn wir merken, unser Vierbeiner zieht sich lieber zurück.“

Warum ist das so? Können wir es nicht ertragen, wenn Hund sich abgrenzt? Auch der Mensch braucht das „gesunde Abgrenzen“, wenn er in seinem Leben bestehen möchte. Damit meine ich nicht, sich von allem und jedem fern zu halten oder ständig anderer Meinung zu sein. Es ist ein natürliches Verhalten oder auch ein ganz normales Bedürfnis von uns nach Autonomie.

Einfach und bestimmt „Nein“ sagen können. Das wird oft als unhöflich gewertet. Aber werten unsere Hunde ein klares Nein als Vertrauensbruch? Ich denke, es ist eher umgekehrt. Es spiegelt unsere Kompetenz, wenn wir im richtigen Moment für die richtige Lösung sorgen, für angebrachtes Verhalten und auch für Sicherheit.

Meiner Meinung nach, ist es wichtig, wenn wir in der Beziehung zu unserem Hund verstehen, wann Nähe angebracht ist und wann nicht. Sicherlich ist das von Hundetyp zu Hundetyp verschieden. Und es ist auch nicht sinnvoll, seinen Vierbeiner seelisch verhungern zu lassen, weil wir denken, damit könnten wir sein Verlangen nach unserer Nähe verstärken. Wir verlieren wahrscheinlich sein Vertrauen, wenn wir so agieren.

Gerade sensible Hunde nehmen sehr viel von unserer Energie und unserer Stimmung auf. Ja, sogar Krankheiten tragen sie für uns aus. Gerade deswegen ist dieser schmale Grat zwischen zu viel und zu wenig so wichtig. Das zu erkennen, ist vielleicht die wahre Kunst in der Beziehung zwischen Hund und Mensch.

Darüber könnten wir uns viel öfter Gedanken machen. Ich weiß, dass diese Dinge gerne abgetan werden, ignoriert oder auch einfach nicht gesehen. Das ist einfacher, macht weniger Probleme (?) und tut uns nicht weh. Es wäre aber durchaus sinnvoll, dieses Konstrukt öfter mal an die Oberfläche zu holen, denn es würde manche Krise in der Mensch-Hund-Beziehung entschärfen.

Der Wunsch nach Nähe, braucht klare Grenzen
Nähe und Distanz sorgen für eine gute Verbindung.

Mach mal Pause.

Wenn wir ständig unser Innenleben an unseren Vierbeiner transportieren, wird er eines Tages an der Last zerbrechen. Würden wir ständig den seelischen „Müll“ eines Mitmenschen ungefiltert aufnehmen, dann können wir irgendwann auch nicht mehr. Es wird unterschätzt, was Tiere leisten können und heutzutage müssen. Es wird zwar immer mehr gesehen aber ein Umdenken erfolgt nur langsam.

Es ist wie mit Kindern, die versuchen es allen recht zu machen und hilflos durch den Alltag rudern, weil sie entweder keine Grenzen haben oder sich nicht entfalten können bei einem zu viel davon. Mit diesem Wissen können wir für Entlastung sorgen und uns öfter mal fragen, was braucht eigentlich mein Hund in diesem Moment und nicht ich. Dafür sollten wir die Verantwortung übernehmen. Und damit können wir uns besser abgrenzen, auch im Sinne unserer Hunde.


Wie immer, schreibe ich hier über meine persönliche Sichtweise und nicht über wissenschaftliche Gegebenheiten. Das sollte zwar klar sein aber ich weise lieber immer mal wieder darauf hin, damit kein Missverständnisse entstehen.

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Kommentare 4

  1. Sehr guter Atrikel!

    Und sehr wichtig! Ich merke es selber oft, dass manchmal Distanz sehr wichtig wird weil dann nicht nur der Hund sondern auch ich wahnsinnig werden. Es sollte einfach eine gesunde Balance herrschen.

  2. der weisse hund 27. April 2018

    Lieben Dank für dein positives Feedback, Alexandra.:)

  3. Super, DANKE!

    Ich hoffe, viele Menschen lesen den Artikel nicht nur, sondern denken auch drüber nach.
    Fast alle Verhaltensprobleme beim Hund könnten verhindert oder therapiert werden, wenn der Mensch seinen Hund nicht nur lieben, sondern in erster Linie resprktieren würde.

    Wenn er es wichtiger fände, den Hund Hund sein zu lassen und seine eigenen Bedürfnisse nach Liebe und Verständnis mit anderen Menschen befriedigt, statt mit der Fellnase…

    Den Hund für 8 Wochen nicht anzufassen ist eine der schwierigsten Übungen für meine Kunden, bei der Therapie ihrer ‚Problemhunde‘. Wobei die Hunde die vermeintlichen Probleme nicht machen, sondern der Mensch.

    Alles Gute
    Antje Hebel
    Cityhunde

  4. der weisse hund 14. Juli 2018

    Liebe Antje,
    vielen Dank für dein Feedback. Freut mich sehr, dass zu lesen und das du es ähnlich siehst.
    Alles Liebe Nina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.