Eibo und Kyra | Ein Patronus auf vier Pfoten

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Eibo und Kyra | Ein Patronus auf vier Pfoten

Auch in diesem Jahr möchte ich meine Blogreihe „Dein Hund – Eure Geschichte“ weiterführen und freue mich, dass ich mal wieder ein ganz besonderes Frau-Hund-Team vorstellen darf. Es gab schon so viele positive Rückmeldungen zu den Texten und es ist ganz toll, wie offen und ehrlich jede einzelne Story zu mir findet. Vielen Dank an alle Teilnehmerinnen und das von euch entgegengebrachte Vertrauen. Ihr bereichert meinen Blog mit viel Herz und Gefühl.

Jetzt geht es aber zur unglaublich berührenden Geschichte von zwei Seelen, die sich gesucht und gefunden haben. Kyra und ihr Patronus auf vier Pfoten.

Wir sind Eibo und Kyra und wir möchten Euch unsere Geschichte erzählen

Eibo ist ein 3 Jahre alter Parsonterrier, welcher ganz unverhofft 2015 in mein Leben getreten ist. Ich hatte mich im Sommer 2015 gerade von meinem damaligen Freund getrennt und bin in meine neue, für mich alleine, viel zu große Wohnung gezogen. Nachdem ich meine gesamte Kindheit mit Hunden verbracht habe, stand für mich schnell fest, dass ich nun wieder einen Hund in mein Leben lassen möchte (zuvor war das nicht möglich, da mein Partner strikt dagegen war). Ich habe also auf sämtlichen Internetseiten, Gruppen etc. gesucht und mir auch viele Hunde angesehen aber bei keinem war da dieses Gefühl, dass er der Richtige ist. Also verstummte die Idee eines Partners auf vier Beinen erstmal wieder.

Irgendwann im Herbst schaute ich in meiner Mittagspause durch eBay-Kleinanzeigen und da war Eibo. Ein verschwommenes Bild von meinem Hund der in einer Ecke sitzt und ein kurzer Text, dass er umstandshalber abzugeben sei.

Mein Interesse war geweckt. Ich kontaktierte die Besitzer und bin direkt nach Feierabend zu dem potentiellen neuen Begleiter gefahren. Ich hatte die Erwartung, dass beim Öffnen der Haustür mir ein kleiner weißer Hund entgegen kommt aber dem war nicht so. Die Besitzerin führte mich durch die Küche zum Abstellraum und da saß er dann, total eingeschüchtert in der letzten Ecke auf einem total verdreckten Tuch. Als ich fragte, ob er etwas angestellt hat, dass er in dem dunklen und dreckigen Raum ist, antwortete die Besitzerin nur „Das ist sein Reich. Seitdem mein Mann weg ist, lebt er hier drin, ich kann das Tier nicht ertragen, darum muss er auch weg“ Sie sah wohl das Entsetzen in meinen Augen und ergänzte noch schnell, dass sie sich getrennt hat, da er ein Schläger sei. Ihr und vor allem dem Hund gegenüber.

Gerettet! Eibo auf dem Weg in eine neue Welt

Ich glaube von dem Moment an bis zu dem Augenblick, wo ich mein Auto startete, mit dem Hund im Fußraum neben mir, sind 2 Minuten vergangen. Sie hatte noch einen Impfpass parat, den sie mir in die Hand drückte und schon war die Haustür zu.

Zu Hause angekommen, flüchtete er sich direkt in die hinterste Ecke des Wohnzimmers

Ich habe ihm erstmal seine Ruhe gelassen, immerhin ist ja alles neu und fremd. Im Impfpass sah ich, dass er gerade erst ein Jahr alt geworden ist. Vor dem zu Bett gehen habe ich ihm eine Decke ausgebreitet, er hat seine Ecke in der Nacht aber nicht verlassen. Am nächsten Morgen hockte er also immer noch in der Ecke. Dort hat er auch sein Geschäft erledigt.

Sämtliche Versuche ihn aus der Ecke zu locken scheiterten. Sobald ich ihm etwas näher kam, pinkelte er sofort los. Also habe ich ihn gewähren lassen, irgendwann musste er ja mal aus der Ecke kommen. Fehlanzeige.

Nachdem noch ein paar weitere Stunden vergangen waren, habe ich mich nochmal an das Projekt gewagt. Dieses Mal wollte ich ihn aus der Ecke schieben. Da ließ sich dann plötzlich erahnen, was er in seinem alten Heim erlebt haben muss. Ich habe ihn sanft angeschoben und er fing direkt an zu schreien, kauerte sich zusammen und pinkelte wieder los.

Aus dem Projekt „aus der Ecke kriegen“ wurde somit das Projekt „ihn wieder zum Hund machen“

Als ersten Schritt hat er seinen Namen „Eibo“ bekommen. Das war mich wichtig, denn durch einen Namen ändert sich der Bezug zu jemandem oder etwas. Als nächstes ging es zum Tierarzt, um zu sehen wie sein Zustand ist. Grundsätzlich war er glücklichweise gesund. Er hatte ein paar Mangelerscheinungen aber nichts was man nicht leicht in den Griff bekommen könnte. Das einzig Bedenkliche war sein Rücken. Der Tierarzt vermutete, dass Eibo oftmals auf den Rücken geschlagen wurde. Seine Nerven sind sehr empfindlich und seine Wirbel zum Teil leicht verformt. Bzgl. der Wirbel müsse ich mir keine Gedanken machen, aber auf die Nerven solle ich achten.

Das heißt vor allem im Winter aufpassen, dass sie nicht durch die typische, steife Brise gereizt werden. Nachdem gesundheitlich alles gecheckt war, ging es dann darum „mein Projekt“ zu „unserem Projekt“ zu machen. Was heißt, mit viel Zeit überhaupt erstmal sein Vertrauen zu bekommen. Dabei habe ich angefangen x Bücher zu lesen, sämtliche Foren zu durchforsten und einen Hundetrainer zu finden, der mir helfen kann.

Jetzt, 2,5 Jahre später, kann ich sagen „das war es wert“.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich an dem Punkt war alles hinzuschmeißen. Wir hatten so viele Rückschläge, so viele Momente, in denen ich dachte, ich mache alles falsch, was man nur falsch machen kann und am Ende ist alles besser, als ich es mir je erhofft habe.

Denn nicht nur Eibo hatte zu kämpfen. Ich litt unter einer depressiven Angststörung und hatte riesige Probleme unter Menschen zu gehen. Eibo wurde zu meiner eigenen Therapie. Durch die Tatsache, dass er mir nicht von der Seite weicht, fühlte auch ich mich plötzlich wesentlich sicherer. Wenn mich doch mal die Panik gepackt hat, drückte er sich an mich, was mich wieder beruhigt hat (genau das sollte ich bei ihm machen, wenn er panisch wurde, was anfangs sehr oft war).

Eibo und Kyra | Ein Patronus auf vier Pfoten
Achtung Selfie 🙂

Eibo und ich sind Partner, Freunde und eine Familie geworden. Ich bezeichne ihn gerne als meinen Patronus, da ich mich durch ihn vollständig fühle. Er ist innerhalb der letzten 2,5 Jahre zu einem unglaublich treuen, sensiblen, dankbaren, neugierigen, lebenslustigen und liebevollen Hund geworden.

Seine Angst und das damit verbundene Pinkeln, wenn man sich schnell über ihn beugt oder wenn ihn jemand lauter als üblich anspricht, wird er nie ganz verlieren aber das ist absolut ok so.
Ich bin unendlich dankbar, dass ich Eibo durch einen kleinen Zufall im Internet gefunden habe. Ich kann mir ein Leben ohne diesen kleinen Wirbelwind absolut nicht mehr vorstellen.

Eibo und Kyra

Lieben Dank, Kyra. Schön, dass ihr mitgemacht habt. Ich wünsche euch alles Glück dieser Erde. ♡

Du möchtest auch über deine ganz besondere Beziehung zu deinem Hund berichten? Dann melde dich gerne für einen Gastbeitrag bei uns! Hier geht es nochmal zu meinem Aufruf „Dein Hund – Eure Geschichte“ und zu den anderen Beiträgen:

„Abschied vom Herzenshund“
„Du bekommst nie den Hund …“
„Anton der Exilrumäne …“
„Hundeliebe vergeht nicht.“
„2 is’ne Party – 365 Tage Pudelpower“

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