Lass dich (ent)führen | Mit den Augen eines Hundes

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Lass dich (ent)führen | Mit den Augen eines Hundes

Manchmal fallen mir Blogposts leicht und manchmal alles andere als das. Diesen wollte ich unbedingt schreiben. Sofort, bevor die Eindrücke sich verflüchtigen und ich sie nicht mehr greifen kann. Es geht um viele kleine Momente, die mich berührt haben an diesem besonderen Tag.

Oft bin ich ganz überfordert von meinen Emotionen, denn sie sind wie wilde Pferde. Laut trampelnd und leise flüsternd. Dieses Chaos in mir, dann auf Papier bzw. auf meinen Blog zu bringen, ist wie Achterbahn fahren. Es geht um Gefühle, um verschiedene Blickwinkel, um Achtsamkeit, um Sensibilität, um neue Wege, um Beziehung, Vertrauen und vielleicht eine Botschaft am Ende. Heute fühlte sich alles so anders an.

Heute war alles so WOW.

Denn ich habe es geschehen lassen. Mein Hund hat einfach die Herrschaft übernommen und mich mit in ihre Welt genommen. Das hat so viel angerührt in mir und am Ende waren wir beide glücklich und zufrieden. Nicht, dass ich die Natur nicht genug wahrnehmen würde oder zu schätzen wüsste auf unseren Spaziergängen, aber diese Runde war so nicht geplant. Es passierte einfach und als es mir langsam bewusst wurde, war ich mehr als erstaunt über diese Erfahrung.

Ist das Achtsamkeit? Ist das Wahrnehmung im Innersten? Irgend etwas dazwischen musste es gewesen sein.

Am Anfang unserer Runden stapfen wir immer zügig drauf los. Frida springt und flitzt über den Deich. Meine Gedanken fliegen, kommen und gehen. Heute sind sie so gütig. So wenig Ärger und unangenehme Dinge dabei, die mich ansonsten öfter begleiten als mir lieb ist. Im Wind werden sie weniger, sie zerreissen, verteilen sich und springen davon. Es macht mich fast euphorisch. Warum, weiß ich nicht. Ich kann das Gefühl nicht greifen, was mich so aufkratzt und so glücklich macht in diesem Moment.

Annehmen. Einfach annehmen und Dankbarkeit empfinden.

Wenn ich für diesen Moment heute dankbar bin, dann auch aufgrund von zwei Menschen, die mir so wichtige Sätze geschrieben haben. Diese haben mich die letzen Tage begleitet, wie mein Hund. Immer mal wieder tauchen sie auf und legen ihre Schnauze auf mein Knie. „Hör genau hin. Lies zwischen den Zeilen.“ Sie passen so gut in unseren kleinen Mikrokosmos, in unsere Mensch-Hund-Beziehung.

„See the world with YOUR eyes.“

Tanja schrieb mir zum Thema hochsensibler Hund: … „Ich würde den Menschen raten, dass sie sich darauf einlassen, dass der Hund im Leben und im Training auch mal das Tempo bestimmen darf.“

Ich habe mich darauf eingelassen. Auf dem Deich kam mir dieser Satz plötzlich in den Sinn und ich dachte mir, heute darf Frida entscheiden. Kein Rufen, kein Zeitdruck, einfach laufen lassen. Meine einzigen Bedenken, dass ich eine mehrstündige Duschorgie vor mir haben würde. Aber als ich dann in Fridas Hundegesicht schaute, vergaß ich das sofort.

Lass dich (ent)führen | Mit den Augen eines Hundes | der weisse hund
Glückliche Frida ♥

Und Maike schrieb in einem Facebook Post: … „Seit geraumer Zeit versuche ich meinen Hund zu lesen. Und ganz ehrlich, ich finde es echt schwer. Aber vielleicht finde ich es schwer, weil ich ihn so unbedingt lesen und verstehen will. Mir ist die Leichtigkeit abhanden gekommen, die ich vorher hatte. Denn bestimmt habe ich ihn vorher schon verstanden. So habe ich beschlossen, mich wieder auf mein Gefühl zu verlassen. Ich schaue ihn an und versuche einfach situativ zu reagieren, für Rudi da zu sein und für ihn einzustehen.“

Auch diese Worte beschäftigen mich. Sie enthalten so viel Wertvolles, genauso wie der Satz von Tanja. Hinschauen, hinhören, reinfühlen, wahrnehmen, nicht interpretieren (auch wenn es schwer fällt) und vielleicht etwas lernen von unserem Vierbeiner. Sich aktiv zurücknehmen und dem besten Freund und Begleiter vertrauen, ihn laufen lassen, frei geben und in seine Welt eintauchen.

Kann das so schwer sein? Ja, denn es hat viel mit Kontrolle bzw. Kontrollverlust zu tun. Vielleicht bin ich in der glücklichen Lage, das zulassen zu können, weil mein Hund nicht jagd oder wegläuft. Trotzdem würde ich es versuchen. Es ist ein so magischer Moment, wenn der Hund plötzlich merkt, er darf und nimmt dein Vertrauen an.

Schnüffeln macht glücklich!

Wir sind an einem unserer Lieblingsplätze. Ich liebe diesen Ort und ich glaube, Frida auch. Kein Betrieb und fast alleine auf dem großen Gelände der Elbinsel Kaltehofe. Hier gibt es einzelne Wiesenparzellen mit vielen Löchern. Mauselöchern. Ich gebe die Führung ab an meinen Hund und lasse mich über die Erdhügel leiten. Immer der Nase nach. Konzentrierter Blick meines Hundes, die Rute pendelt hin und her. Ein unsichtbarer Smiley schwebt über meinem Vierbeiner. Sie so zu beobachten, ist einfach nur schön.

Und wieder werde ich mir bewusst, wie anders jeder Moment und jeder Tag sein kann. Ich dachte, ich hätte sie schon so genau betrachtet aber irgendetwas in mir macht Klick. Ich habe gespürt, was Übertragung sein kann. Ihr Glück springt auf mich über.

Was fühle ich in solchen Momenten? Wie ist meine Wahrnehmung? Was kann ich mir bewusst machen dabei? Welche inneren Bilder entstehen in mir und was davon kann ich festhalten? So viel positive Energie, habe ich bei uns beiden schon länger nicht mehr gespürt. Ich schließe die Augen, lasse mich eine zeitlang einfach mit ihr treiben. Wir sind auf einer Linie.

Wie komme ich in Kontakt mit meinem Vierbeiner?

Genau so. Das zu erklären, fällt mir schwer und ich hoffe, es wirkt nicht allzu konfus oder abgehoben. Es lag mit Sicherheit auch daran, dass wir an diesem besonderen Ort waren. Zu wissen, dass wir in der nächsten Zeit hier nicht mehr laufen werden, brennt ein bisschen in meiner Seele aber ich weiß, wir kommen wieder. Auch das mache ich mir bewusst und es beruhigt mich. Wir umrunden das ganze Areal, in Fridas Tempo und nach ihrer Nase. Zwischendurch erhasche ich immer wieder einen Blick von ihr. Ich weiß, wer nachher schnarchend und zufrieden auf seinem Kissen liegen wird.

Listen to your dog!

  • Nehmt euch Zeit für so einen besonderen Ausflug. Er dauert so lange er dauert. Eure Hunde werden irgendwann anzeigen, dass es gut ist und ihr nach Hause gehen könnt.
  • Ruhe. Sucht euch einen ruhigen Ort für eure besondere Erfahrung. Das wird vielleicht nicht so einfach aber es lohnt sich. Euer Vierbeiner sollte nicht ständig abgelenkt werden. Ohne Anleitung und ohne Einwirkung darf er loslegen.
  • Schafft euch damit ein Ritual. Ich glaube fest daran, dass so ein Erlebnis genauso gut sein kann, wie die Samstagsrunde Mantrailing. Ja, das glaube ich. Euer Vierbeiner wird das verinnerlichen und sich schnell auf eure Touren freuen. Dieses Highlight wird euch verbinden.
  • Wenn es möglich ist, versuche kleine Videos zu machen. So kannst du Veränderungen bei deinem Hund und seine Körpersprache noch besser wahrnehmen. Außerdem macht es Spaß, sich die Filmchen immer mal wieder anzuschauen. Ich finde es toll!
Lass dich (ent)führen | Mit den Augen eines Hundes | der weisse hund
In ihrer Welt

Ihr meint, dass ist alles nicht zu machen? Euer Hund ist zu wild, zu jagdlich orientiert, ihr wisst nicht, wie ihr es anfangen sollt usw. usw. Probiert aus. Traut euch beiden etwas zu. Es geht nicht um richtig und falsch. Es geht um gemeinsame Sache machen und erleben.

Vielleicht ist das, was ich hier geschrieben habe, für euch auch überhaupt nicht relevant. Vielleicht fühlt ihr euch nicht angesprochen oder ihr habt es nicht so mit Gefühlen und Reinspüren. Kein Problem. Ich sprach am Anfang von einer möglichen Botschaft. Hier kommt sie:

Jeder ist seines Glückes Schmied. Wie immer auch euer gemeinsames Glück sich definieren lässt, es wird euch verbinden.

Viel Freude dabei! ♡

 

Hier kommt noch ein längeres Video in Zeitlupe. 😉

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Kommentare 2

  1. Doch, total relevant!!!
    Wieder freue ich mich an Euren Zeilen. Ich gönne mir öfter mal so eine Hunderunde, bei der ich Pina entscheiden lasse, wohin es geht. Oft ist das mein Ausgleich, wenn ich einen anstrengenden Auftrag hinter mir habe. Dann gehört es zum Loslassen, dass ich mir für die Hunderunde keine bestimmte Route vornehme, sondern „laufen lasse“.
    Lustig fand ich auch, was meine Mutter vor einiger Zeit berichtet hat, als sie zwei Tage Hundesitterin war. Pina hat sie von mir zu Hause aus Wege entlang geführt, die meine Mutter noch nicht kannte – und die ich auch vorher mit Pina nie gegangen war, fast zwei Stunden lang. Das hat mich schmunzeln lassen, aber es hat mich auch beeindruckt, dass die kleine Schnüffelnase sowas macht. Da kommt sowas wie Stolz auf, weil sie ihre eigenen Wege geht und das auch darf, und ich bin überzeugt, dass auch das etwas damit zu tun hat, dass sie bei mir Vertrauen gelernt hat (und das auch ganz natürlich bestimmten anderen Personen entgegenbringt).
    Was Du beschreibst, trifft wieder einmal den Kern dessen, was ich meine, was wir Menschen von Hunden lernen können – dieses Gehenlassen im doppelten Wortsinne. Gehenlassen und gehen lassen, Dinge (und Wege) nehmen wie sie kommen, Zeit vergessen, die einem vorher noch im Nacken saß… Darum: schöner Text!

  2. der weisse hund 25. Januar 2018

    Ach Sarah, was freue ich mich über deine Kommentare und das du so fleißig kommentierst. Deine Rückmeldung ist immer toll für mich und nicht nur, weil es positiv und bestärkend ist, sondern weil ein Blog auch durch Austausch viel mehr Gesicht bekommt. Also, ganz lieben Dank und ich freue mich darauf, noch mehr von dir zu lesen, immer mal wieder. Grüße an Pina, die Eroberin der heimlichen Wege und so etwas zaubert immer ein Lächeln ins Gesicht. Ich danke euch beiden. <3

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