„Warum geht ein Terrier nicht jagen?!“

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Ha ha ha. Kleiner Tippfehler. Es müsste heißen „Warum geht dein (!) Terrier nicht jagen?“ Das hat mich nämlich gerade jemand gefragt, der ein Bild von Frida auf Instagram gesehen hat. Mein Text dazu war:
„Wenn ich die Wahl hätte … Ab in den Wald!“
Eigentlich war das auf mich gemünzt aber wer sollte diesen Gedanken auch mit der Besitzerin des Hundes in Verbindung bringen bei der Vorlage? Somit sind wir auch beim Thema.

Viele Terrier Besitzer, die ich kenne, haben ein echtes Jagdproblem mit ihren Hunden. Ich habe das bei meiner Hündin noch nie erlebt. Ein wahrer Glücksgriff? Ein Zufall? Ein Terrier im Schafspelz? Ich denke nicht. Auch Frida hat das JagdGen in sich und es kommt zum Vorschein, sobald sie ein Feld mit Mäuselöchern findet. Sie hüpft filigran wie ein Känguru über die Löcher im sogenannten Mäuselsprung und schießt blitzschnell mit ihrer Schnauze ins Feld, sobald sich dort was regt. Im Stall hat sie meist jeden Strohhalm in der Pferdebox umgedreht und die Ratten verjagt. Ganz praktisch eigentlich.

Aber mit anderen Viechern hatten wir nie ein Problem. Klar, auch Eichhörnchen stehen bei ihr auf dem Zettel. Sie sitzt zu Hause vor dem Küchenfenster und beobachtet die Familie, die sich in unsere bis ans Fenster reichenden Tanne eingenistet hat. Aber das ist es auch. Sie hat schnell gelernt, dass hinterherrennen ganz lustig ist aber mehr auch nicht und schon gar nicht erfolgreich. Also warum Energie verbrauchen?

Für manchen Vierbeiner allerdings, ist das Jagen Lebenselixier. Sie brauchen es, wie die Luft zum atmen und bringen ihre Besitzer damit manchmal an den Rand des Wahnsinns. Verständlich. So eine Kandidatin hatte ich auch zu Hause. Eine passionierte Jägerin, von der ich dachte, dass man ihr das Verhalten niemals in irgendeiner Art und Weise „abgewöhnen“ wird können.

Nora in ihrem Element

Jagdverhalten gehört zum Hund. Es dient u.a. dem Überleben. Wie sonst kommt man an Nahrung, wenn man z.B. auf der Straße lebt? Es ist selbstbelohnendes Verhalten und vor allem, es lässt sich nicht vollständig unterdrücken, aberziehen oder sonst irgendwas. Wer so etwas verspricht, hat den Hund noch nicht verstanden.

Hunde, die vehement jagen, werden meist mit unschönen Methoden gedeckelt. Oft, weil der Mensch keine Lust hat auf ein langes und intensives „Anti-Jagd-Training“. Was für ein schlimmer Begriff. Jagen stammt aus dem Funktionskreis der Hunde und wir arbeiten also völlig gegen die Natur des Hundes, weil es uns einfach nicht gefällt? Darüber sollten wir mal nachdenken.

Ja, es ist blöd, wenn der Hund ein Reh reißt. Ein absolutes NoGo. Genauso schlimm ist es, wenn durch einen Hund ein Verkehrsunfall verursacht wird, ein Reiter vom Pferd fällt oder ein Kind gebissen. Es gibt viele Situationen, die u.a. auch durch eine Sequenz aus dem Jagdverhalten entstehen können. Das ist nicht lustig. Das Hinlegen, den entgegenkommenden Hund fixieren und dann losstürmen kommt übrigens auch daher und kann zum Problem werden. Ist diese Strategie erfolgreich wird sie immer häufiger gezeigt. So etwas würde ich niemals zulassen.

Mit meiner großen Hündin habe ich fast ein Jahr an der Schleppleine gearbeitet. Ich kann mit ihr wieder in den Wald oder aufs Feld gehen ohne sie anzuleinen aber ich darf niemals mit meinen Gedanken woanders sein. Ich muss immer für ihre Signale empfänglich sein auf unseren Spaziergängen, ansonsten verabschiedet sie sich. Das war es. Ein Rückruf ist zwecklos. Durch sie habe ich noch besser gelernt auf die Körpersprache eines Hundes zu achten und zu reagieren. Eigentlich fragt sie immer vorher nach ob sie darf. Dass der Mensch zu langsam ist, wissen wir ja …

Mäuselsprung in Perfektion

Frida interessiert das nicht. Ein Wort, ein Pfiff und sie dreht ab und kommt. Was ist nur los mit ihr??? Auch sie könnte man antriggern, da bin ich mir sicher. Aber sie würde niemals verschwinden. Sie verträumt sich höchstens auf dem weiten Feld und verpasst es, wenn ich in die andere Richtung laufe. Es kam schon öfter vor, dass sie sich dann jemand anderen gesucht hat und bei ihm in der Küche saß. Auf dem Dorf war das nicht schlimm. Sie war bekannt. Ein Anruf und ich habe sie abgeholt.

Ehrlich gesagt, bin ich glücklich, dass ich diese Probleme nicht habe und wir einfach durch den Wald laufen können. Auf sie ist Verlass und gerade in der sensiblen Brut und Setzzeit, ist das Gold wert! Sie bleibt auf dem Weg. Ich müsste sie meist schon schicken, damit sie im Unterholz verschwindet. Ich frage mich selber immer wieder, wie ich es hinbekommen habe. Aber da ist nichts. Bei ihr hat es einfach sehr schnell „Klick“ gemacht. Es lohnt sich meist nicht.

Und irgendwie sind die Glückshormone bei ihr auch so genug vorhanden, dass sie das Jagen dafür wohl nicht braucht. Sie hat von Anfang an alles kennengelernt, was Hunde interessiert. Vielleicht liegt es daran, dass sie mit einem Pferd groß geworden ist. Es war wichtig sich daran zu orientieren und nicht, es zu hetzen oder anzukläffen. Zur Belohnung durfte man dann oben sitzen. Das funktionierte alles sehr schnell.

Vielleicht ist es aber auch die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren. Das Gefühl, welches im Laufe der gemeinsamen Zeit entstanden und gewachsen ist. Ein Gefühl für ihre Bedürfnisse aber auch meine. Natürlich hat Frida auch Baustellen. Sie weiß, wie sie mich klein bekommt aber bei wichtigen Dingen weiß sie auch, wann Schluss mit lustig ist! Das ist wichtig. Das habe ich ihr wahrscheinlich unmissverständlich zu verstehen gegeben.

Wenn ich dann aber auf Feldern und Wiesen, im Wald oder auch im Park unterwegs bin, sieht man viele Hunde, die sich verselbstständigen. Herrchen und Frauchen schreien aus kilometerweiter Entfernung und hoffen darauf, dass der Vierbeiner irgendwann umdreht. Ich finde, das kann einem zu denken geben. Ein Hund zu sein ist garnicht so einfach, denn wir beschneiden ihn jeden Tag aufs Neue in seinen Bedürfnissen und in seiner Umgebung. Sicherlich muss das sein, sonst wäre ein Zusammenleben mit all den anderen unerträglich und nicht machbar. Aber Verhalten zu unterdrücken bei einen Hund, dem es in die Wiege gelegt wurde, ist für meine Begriffe schon fast tierschutzwidrig.

Also lieber keinen Hund??? Doch! Aber vielleicht einen mit weniger Jagdverhalten, mit weniger Drang zum Hetzen und Packen. Einen, der wirklich für die Familie geeignet ist und nicht nach seinem Aussehen gekauft wird. Dann würden sich viele Probleme schon ein bisschen mildern. Auch könnte ein gescheites Training dazu führen, dass man das Verhalten des Hundes in eine andere Richtung lenkt, gemeinsam auf Jagd geht und so den Alltag für den Hund sinnvoller gestaltet.

Sinnvolle Auslastung? Dummy Arbeit!

Bei Jan Nijboer z.B., kann man genau das lernen und sich dort von einem Trainer beraten lassen. Ich halte sehr viel davon, auch wenn ich selber nicht danach trainiere. Einige Elemente nutze ich. Natürlich kann man nun wieder sagen, dass es dann doch nichts bringt. Aber ich finde schon. Warum soll ich so verbohrt sein und nur in eine Richtung arbeiten? Das erschließt sich mir nicht. Schon immer wollte ich das, was möglich ist für jeden Einzelnen herausarbeiten. Bis heute war das ein guter Weg.

Manchmal braucht der Weg eben länger und ein Umdenken auch. Es lohnt sich aber immer. 🙂

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