Leinenführigkeit – Yuhhu!?

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Leinenführigkeit … Schon alleine das Wort ist furchtbar und die Sache an sich sowieso. Das denken viele und ich verstehe warum. Anscheinend scheitern fast alle an diesem Konstrukt und es scheiden sich die Geister, wie man es nun am besten seinem Hund verklickert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Leinenführigkeit (LF) kann man sicherlich auch klickern. Ausprobiert habe ich es nicht.

Irgendwie oder wie von Geisterhand, waren alle unsere Hunde leinenführig. Ich weiß nicht warum und ich erinnere mich nicht mehr an die Ausbildungsmethoden meiner Eltern. Ganz ehrlich?! Es gab nie welche. Weder wurde viel darüber gelesen, noch ging man in die Hundeschule. Austausch übers Netz, YouTube, Facebook und Co., gab es damals nicht. Hilfe!!! Man war auf sich alleine gestellt und die Gespräche mit anderen Hundebesitzern gingen um andere Themen als Hundeerziehung.

Ja, das war möglich und wir haben es überlebt. Unsere Vierbeiner auch!

Heutzutage informieren wir uns über alles. Jedes kleinste Detail wird durchleuchtet und sei es z.B. das Halsband, das Hund von der LF abhält, weil es zu eng, zu weit, zu schmal, zu breit ist. Egal, wir haben mindestens noch drei andere in Reserve. Kann ja sein, dass es hilft. Ich weiß nicht, wie viele Bücher es dazu gibt. Ist ja auch erst mal nicht verkehrt.

Achtsamkeit hilft auch bei der Leinenarbeit

Nur wer verlässt sich heute noch auf sein Bauchgefühl? Auf sein Gespür für den Hund? Auf die Möglichkeit, Dinge gemeinsam zu erlernen, ohne alles mitzumachen, was gerade „the way of dog“ ist? Man ist verzweifelt, wenn man nicht mitreden kann. Die Hundewelt geht dann schon mal unter.

Bei meiner Ausbildung habe auch ich gelernt, welche Gründe es geben kann, warum es mit dem Vierbeiner nicht klappt. Auf jeden Fall muss man nicht in Panik geraten oder gar die Leine wegschmeißen. Was auch nicht unbedingt die beste Lösung wäre. Lieber den Hund laufen lassen als dieses Theater eingehen, denken viele. Ist ja auch oft unangenehm, wenn ich einen Pöbler habe. Ein Tipp: es handelt sich hier meist um gelerntes Verhalten und nicht um Aufmüpfigkeit. Oft haben wir es einfach verbockt …

„Leinenführigkeit ist der Spiegel der Beziehung.“ Das wird mir immer im Ohr bleiben und ich finde, es stimmt.

An der Leine zu laufen bzw. an seinem Menschen zu kleben, ist für viele Hunde erst mal kein natürliches Verhalten. Warum auch? Macht das Sinn? Es bedeutet nur, dass der eigene Radius begrenzt wird und somit auch die Kommunikation. Hund möchte sich gerne frei bewegen und bestenfalls jagen gehen. So ist es nicht möglich. Damit können schon die ersten Unstimmigkeiten entstehen. Kein Vierbeiner kommt mit Halsband und Co. auf die Welt.

Früh übt sich. Auch unter Ablenkung.

Was für Gründe gibt es wohl dafür, dass Hunde an der Leine ziehen?

Hat Hund es überhaupt richtig gelernt? Wurde es vernünftig aufgebaut und gab es keine doofen Situationen oder unangenehme Erfahrungen? Ist währenddessen etwas schief gelaufen, hat man noch mehr Arbeit es wieder zu korrigieren.

Ist meinem Hund vielleicht langweilig? Neben Herrchen zu laufen bedeutet nicht unbedingt Spaß und Freude. Auch die Individualdistanz spielt eine oft unterschätzte Rolle. Ja, auch unsere Hunde haben eine und es ist äußerst wichtig, sich damit zu beschäftigen.

Vielleicht möchte er aber einfach lieber jagen gehen, sich verpaaren, hat sogar Ängste und ist unsicher oder er möchte sein Territorium verteidigen … Wie gesagt, es gibt viele Gründe.

Wie mache ich meinem Hund nun aber klar, dass es sinnvoll sein kann, den verlängerten Arm anzunehmen?

Diskutieren ist verbal nicht möglich, deswegen trägt man es oft körperlich aus. Man reißt und ruckt am besten an der Verbindung. Wirkt bestimmt – irgendwann. Dass dieser Weg nicht gerade zur Festigung der Beziehung beiträgt und schon gar nicht zu einem Vertrauensverhältnis, kann sich jeder denken, oder?

Was möchte ich denn eigentlich erreichen?

Das Hund sich auf mich verlassen kann. Ich bin in der Lage voranzugehen. Das hat nichts mit Dominanz zu tun sondern mit Verantwortung. Souveränes Handeln gibt man nicht über Leinenruck und Druckaufbau an seinen Hund weiter. Ich finde, dann hat man etwas falsch verstanden!

Führung übernehmen. In der Lage sein, Geschehen einzuschätzen und Situationen zu regeln. Das ist wichtig, auch an der Leine. Komischerweise habe ich die Taktik Stehenbleiben und so lange warten, bis der Hund es sich überlegt und auf mich wartet, bzw. wir gemeinsam einen weiteren Schritt schaffen, fast aufgegeben.

Ich arbeite oft über eine lange Leine und gebe viel Raum. Hört sich wahrscheinlich komisch an aber wirkt oft Wunder. Aber das ist natürlich auch von Hund zu Hund verschieden. Den Vierbeiner an mein Bein zu tackern, finde ich eher unschön und vor allem unnatürlich. Bei manchen Hundesportprüfungen ist das allerdings ein Muss.
Mein Anspruch ist es nicht.

Den ultimativen Tipp habe ich leider nicht für euch. Wäre ja auch zu schön und ich wäre arbeitslos. 😉

Ich kann nur dazu raten, so zu trainieren, dass der Hund eine Chance bekommt unsere Anleitung zu verstehen und wir es ihm möglichst einfach und fair aufbereiten. Das sollte sowieso immer unser Anspruch sein. Wenn ich nicht klar in meiner Kommunikation bin und den Hund dafür zur Rechenschaft ziehe, mache ich einen groben Fehler.

Vertrauen und kleine Schritte führen auch ans Ziel. Dass dies meist effektiver ist, hat sich ja schon oft bestätigt. Und, es gibt Kandidaten, die sehr glücklich sind, wenn man sie anleint. Sie entspannen sich sichtlich. Denn so können sie sich viel besser orientieren und müssen nichts mehr entscheiden …
wenn der Mensch in der Lage ist, diese Aufgabe für sie zu übernehmen.

Viel Spaß beim üben! 🙂

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