Böller & Co. – Generalisierung und seine Folgen

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Wenn man einen Hund erziehen möchte bzw. ausbilden, dann sollte man sich im Vorfeld genau mit dem Lernverhalten seines Vierbeiners beschäftigen und vor allem, wie man es am besten anstellt bzw. wie Hund am zuverlässigsten lernt. Dazu gehört u.a. auch ein Schlagwort, nämlich die Generalisierung. Ein wichtiges Thema, gerade in Bezug auf ängstliche Hunde.

Was ist Generalisierung?

Es gibt viele Erklärungen und es wird meist mit „Verallgemeinerung“ umschrieben.
Beispiel: Ein Hund soll ein bestimmtes Signal in möglichst vielen Situationen und bei verschiedensten Reizen sicher ausführen können. Also ein Sitz nicht nur zu Hause auf dem kuscheligen Wohnzimmerteppich sondern auch draußen im Regen wenn die Katze vorbeirennt. Nur weil der Hund das Signal zu Hause zeigt, heißt das noch lange nicht, dass er gelernt hat es auch woanders sicher durchzuführen bzw. verstanden hat, was „Sitz“ wirklich heißt.

Ich habe noch eine Definition gefunden, die mir in unserem Falle besser gefällt bzw. klarer macht, worauf ich hinaus will:

Generalisierung bedeutet, dass ein gelerntes Verhalten nicht auf jene Situationen beschränkt bleibt, in denen es erworben wurde. Auch bei geringfügigen Veränderungen des Signals, das die Reaktion auslöst, tritt eine vergleichbare Reaktion auf. (vgl. Speck & Wehle, 1970, S. 48) Quelle: http://psychologie-news.stangl.eu/92/generalisierung
© Werner Stangls Psychologie News

Generalisierung ist wichtig und hilft dem Hund. Gerade in der Welpenzeit, wenn er viele positive Dinge kennenlernen soll, z.B. Menschen. Nicht nur die Familie ist nett sondern auch der Nachbar usw.

Aber es kann auch genau in die andere Richtung gehen. Wenn der Hund ein Signal nicht mehr ausführen möchte oder kann, weil der Reiz zu unangenehm ist und sich wie ein Geschwür auf andere Reize, z.B. Geräusche, überträgt.

D.h. mein Hund mag im schlimmsten Falle gar nicht mehr rausgehen weil die Reize ihm zu viel sind. Umweltreize, wie Autos, Menschen, andere Hunde, Bewegungen usw. usw. Es gibt unendlich viele. Und wir haben gerade wieder unser altes Silvester Problem. Frida mag seit Anfang Dezember eigentlich nicht mehr richtig spazieren gehen in ihrem eigenen Umfeld. Sobald wir aus der Haustür treten zeigt sie vermehrt Meideverhalten. Das hatten wir schon lange nicht mehr.

Frida hat ein Silvestertrauma, darüber habe ich schon berichtet in „Angst essen Seele auf„. Wir haben immer wieder damit zu tun. Dieses Jahr war anscheinend ein zu viel an Böllerei. Die Menschen haben das Bedürfnis mitten in der Nacht oder auch gerne am hellichten Tage munter ein oder zwei Knaller zu zünden, aus welchen Gründen auch immer. Es sind gerade diese einzelnen, nicht kontrollierbaren Geräusche, die meinem Hund das Leben schwer bzw. zur Hölle machen. Manch einer wird das nicht verstehen, dass sie so leidet. Vielen ist es auch egal. Es gibt Menschen, die auf Hunde mit Raketen zielen oder auch auf Menschen.

Nun also haben wir mal wieder einen Haufen Arbeit vor uns. In den Stadtpark gehen ist doof, vor der Tür wird mal gerade das Geschäft erledigt bevor sie sich wieder in die Leine stemmt und nach Hause zieht. Die Witterung tut ihr Übriges. Denn die Stimmung und auch die Geräuschkulisse ist eine andere im Winter und macht meinen Hund per se schon unsicher.

Viele werden sich fragen warum. Weil sich der Reiz (Knall, Böller) auf andere Dinge übertragen hat, u.a. laute Auspuffgeräusche von getunten Autos. Die Wahrnehmung des Hundes ist hochsensibel und das sollte man sich immer mal wieder vor Augen führen. Der Mensch ist oft erst mal gar nicht in der Lage das herauszufiltern oder einzugrenzen. Laute Geräusche liegen noch auf der Hand aber es gibt andere Übertragungen, die findet man nicht mal eben raus.

Damit wir aber unsere Tage bis zum Frühling nicht unter dem Bett verbringen müssen, heißt es jetzt trotzdem raus und in kleinen Schritten arbeiten. Also den Vierbeiner desensibilisieren für das, was da draußen so schrecklich lauert. Somit habe ich heute Dummy, Lieblingsspielzeug und großartige Fischleckerchen eingesteckt und wir sind los gestiefelt.

Wichtig! Vergesst niemals euren Hund ordentlich abzusichern, sprich eine Schleppleine zu nutzen. Auch wenn der Hund sich auf ein Training einlässt, kann es immer sein, dass plötzlich ein Geräusch für die totale Verunsicherung sorgt. Seid immer darauf vorbereitet.

Im Park angekommen, habe ich dann erst mal getestet in wie weit Frida sich auf ein gemeinsames Spiel oder auch kleinere Übungen einlässt. Das hat ganz gut funktioniert, auch wenn sie immer wieder an anderen Geräuschen hängen geblieben ist. Dann habe ich ihr die Fische im Baum versteckt und etwas eingebuddelt. Die Nase zu nutzen bedeutet Schwerstarbeit, gerade im Winter. Also hatte sie ordentlich zu tun und hat sich entspannt bzw. auf die Arbeit konzentriert. Gut so! Am Ende gab es noch ein Spiel ohne jegliche Vorgabe. Sie sollte einfach Spaß haben und toben dürfen.

Auf dem Rückweg war sie dann viel ruhiger und lief locker an der Leine. Ihr Spielzeug durfte sie nach Hause tragen. Kauen baut Stress ab. Also kann man versuchen dem Hund etwas ins Maul zu geben um ihn zu beschäftigen und das Stresslevel zu senken. Das klappt nicht bei jedem Hund. Manche drehen dann eher auf aber in so einer Situation hilft es meiner Hündin sehr sehr gut. Nimmt sie es nicht, weiß ich, sie hat genug und wir müssen dringend nach Hause. Alles andere wäre Reizüberflutung und ein Spiel oder Training wäre kontraproduktiv.

Hunde können unter Stress nicht lernen!

Im Gegenteil, man kann sich damit ein Vertrauensverhältnis total kaputt machen. Ein Hund braucht unsere Hilfe, ein sensibles Gespür für seine Schwachstellen und eine souveräne Handlungsweise, wenn es darauf ankommt. Wir sind dafür verantwortlich. Die Umwelt hilft uns dabei leider nicht. Es gibt viele Tipps, Trainingsformen um auf solche Wehwehchen einzugehen. Jeder Hund ist anders also muss ein Training auch dementsprechend angepasst sein. Ein langer Weg manchmal aber im Sinne des Hundes unumgänglich.

Frida? Sie liegt jetzt in ihrem Körbchen und träumt. Alles muss verarbeitet werden und auch das braucht Zeit. Unsere Woche in Dänemark war ganz anders und völlig entspannt. Wenigstens kann ich das positiv werten. Wie schlimm wäre es, wenn sie auch das schon generalisiert hätte und Spazieren gehen im Allgemeinen als furchtbar empfinden würde …

Anmerkung: Ich kenne meine Hündin sehr gut. Niemals würde ich von ihr verlangen „da raus“ zu gehen wenn ich die Befürchtung hätte, es wäre nicht machbar für sie. Es ist eine Gratwanderung und manchmal drehe ich auch um oder lasse es. Ein guter Trainer wird ein Mensch-Hund-Team bei der Arbeit unterstützen und nicht unter Druck setzen. Darauf sollte man achten, wenn man sich jemanden an die Seite holt.

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