Ein letzter Blick zurück, dann lass die Hunde laufen

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Es ist tiefschwarze Nacht da draußen und der Wind hat sich nun endlich etwas gelegt. Das passt gut, denn nach dem Durchpusten kann das Aufräumen beginnen bzw. das, was rausgefegt wurde hat Platz für Neues geschaffen. Erst einmal sinnbildlich aber am Ende ist es auch so. Heute ist Donnerstag, der vorletzte Abend und mein letzter Blogpost zu meinem Workshop. Den morgigen Tag möchte ich noch mal genießen und bewusst Abschied nehmen.

Ich sitze vor dem Kamin und merke, wie müde ich zwischendurch werde. Die gute Luft hier oben und das Programm helfen dabei und wahrscheinlich war es auch die Frage an alle bzw. unsere heutige Aufgabe, die mich nochmal den Tag über beschäftigt hat. Jede von uns sollte einen Gedanken für die Vergangenheit, den Istzustand und die Zukunft formulieren. Egal ob es nun Ziele, Wünsche oder Erwartungen sind, mit denen wir hier am Samstag unseren magischen Ort verlassen.

Zeit für Gedanken am Kamin

Puhhhhhhhh! Hilfe! Alarm! Vieles schwirrt mir durch den Kopf, doch am Ende weiß ich es schon ziemlich genau. Damit beschäftige ich mich eh schon lange oder länger und auch verdrängen hilft oft nicht. Gedanken sind frei und sie tauchen nicht unbedingt verstärkt auf solchen Workshops auf, die dazu gedacht sind einen weiterzubringen, sondern meist dann, wenn man sie nicht gebrauchen kann. Also nutze ich diese Frage und versuche mich ganz darauf einzulassen.

Vergangenheit. Ja, da war was! Es hat mein ganzes letztes Jahr geprägt, mich beschäftigt und gelähmt. Es hat mir einfach den Boden unter den Füßen weggerissen, plötzlich und hart. Ich war im Ausnahmezustand und Panik, weil ich damit nie gerechnet hatte. Nicht, weil ich mir meiner so sicher gewesen wäre, sondern weil ich blind vertraut habe. Wenn man sich auf Menschen oder einen bestimmten einlässt, dem man sein ganzes Herz aufrichtig schenkt ohne ständig auf der Hut zu sein, dann kann eine Trennung wahnsinnig weh tun.

Dass daran noch ein anderer Hund hing, den ich immer noch unsäglich vermisse und viele Träume, die der andere dann einfach zerschlägt, damit musste ich erst mal klarkommen. Die ersten Monate habe ich gedacht, das funktioniert nicht. Im Sommer bin ich dann mit einer guten Freundin auf Segeltour gegangen und habe gemerkt, dass vieles geht, wenn man sich Zeit gibt. Zeit traurig zu sein, sich aufzugeben und neu zu finden, hinzufallen und aufzustehen, Menschen ziehen zu lassen und neue zu finden. Viele viele kleine Schritte mit vielen schwierigen Momenten, immer wieder. Erinnerungen können ein mieser Verräter sein.

Frida war es nicht. Sie hat genauso gelitten wie ich. Wahrscheinlich weil ich es tat. Das hat mir das Herz gebrochen aber da mussten wir beide durch! Ende 2016, muss ich sagen, habe ich wieder Licht gesehen und festgestellt, dass man sich nur selber aus solchen Situationen herausziehen kann. Natürlich haben sich eine Menge Menschen um mich „gekümmert“. Dafür bin ich sehr dankbar. Einige haben sich aber auch abgewendet aus Gründen, die ich bis heute nicht verstehe. Heute, ist es mir egal.

Wer mir am meisten Stärke gegeben hat, war mein Hund. Wäre sie nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich ein Jahr lang die Decke über den Kopf gezogen und hätte mich verkrochen. Das war nicht möglich. Unzählige Spaziergänge haben wir gemacht, wie auf der Flucht waren wir und auch meine Selbstgespräche und Heulattacken hat sie ertragen. Sie muss gedacht haben, dass ihr Frauchen verrückt geworden ist. Vielleicht hatte sie auch Angst? Keine schöne Vorstellung.

Zum Jahreswechsel hatte ich mir dann ein klares Ziel gesetzt: LOSLASSEN.

Was soll ich sagen. Es hat funktioniert. Ein Jahr habe ich mir gegeben, das alles irgendwie zu verarbeiten. „Jetzt lass es gut sein!“ Ich schicke die einzelnen Gedankenfetzen weiter, wenn sie erneut versuchen Unheil zu stiften. Aber von dieser tiefen Trauer bin ich meilenweit entfernt und endlich habe ich meine Kraft zurückgewonnen. Ich bin stark. Das habe ich auch gelernt daraus und mit Hund noch mehr. Wir beide haben uns dadurch nicht verloren.

Ende 2015 hatte ich schon mal einen Artikel dazu geschrieben, „Der Schweinehund am Jahresende“. Ich wusste damals ja nicht, wie sehr er mich selbst betreffen würde … Irgendwie hatte ich es bereits gespürt.

Jetzt. Das neue Jahr hat begonnen und ich habe mir nichts vorgenommen. Keine wirklichen Ziele, Erwartungen oder ähnliches. Nein. Ich möchte im Hier und Jetzt leben. Ich möchte mit mir selber zufrieden sein können, auch „alleine“. Wünsche habe ich, das ist klar. Die Dinge, die ich gerade mache wie dieser Workshop, sind z.B. so ein Wunsch. Ein Projekt wie dieses selber auf die Beine zu stellen. Das wäre fein!

Jetzt, heißt auch meine Herzensdinge voranzutreiben aber sie nicht in der weiten Zukunft zu platzieren. Dieses ständige sich selber überholen bringt mir gar nichts außer Unruhe. Immer wieder in mich reinhören, ob ich noch bei mir bin und auf meinem Weg, das ist wichtig und das gehört zum jetzt. Und natürlich Frida. Sie steht ganz oben, an erster Stelle und da wird sie auch bleiben. Sie wird älter und auch das gilt es für mich zu berücksichtigen.

Die Zukunft, ja, das ist so eine Sache. Oft verschwendet man, oder auch ich, zu viel Zeit damit in der Zukunft zu planen und die Gegenwart zu verpassen. Trotzdem glaube ich, dass ich etwas ganz klar sehe. Zum einen, meine Fortbildung abzuschließen. Durch sie erhoffe ich mir „dieses hier“ in meinem Sinne aufzubauen und irgendwann davon leben zu können. Das ist ein Wunsch, ein Traum, eine Sache, für die es sich lohnt sich anzustrengen.

Ob das nun allerdings in Hamburg oder woanders sein wird, dass weiß ich noch nicht. Denn die Frage stellt sich mir im Moment öfter als mir lieb ist. Wo werde ich mich niederlassen und diese Frage nagt an mir. Nach der Trennung dachte ich als erstes, ich muss weg aus Hamburg. Doch die Stadt hat mich festgehalten. Ich liebe sie und wollte immer schon hier hin. Die Zeit verging und die Gedanken, die Stadt zu verlassen, auch. Trotzdem steht es immer noch zur Debatte. Besonders wegen meiner Familie bzw. meiner Mutter. Ich möchte näher bei ihr sein. Auch das habe ich im Laufe der Zeit gelernt. Nichts ist so wichtig, wie die Menschen, die man liebt.

Ein letzter Blick zurück. Den habe ich hier geworfen. Jetzt heißt es nach vorne schauen, sich frei machen von schlechten Gedanken und dann die Leine loslassen und die inneren Hunde laufen. Das ist für mich so ein schönes Sinnbild zum Ende dieses Workshops. Es hat mir gut getan hier zu sein.

Die Zukunft macht auch immer ein bisschen Angst aber ich habe gemerkt, wie gut es manchmal ist Ängste zu haben und sie zu verstehen. Auch die Kündigung meines sicheren Arbeitsverhältnisses war ein Teil davon. Ob ich es schaffe ohne dieses auszukommen ist gerade fragwürdig aber das wird sich zeigen. Ich schaue viel viel positiver in die Zukunft aber lebe dennoch den Moment. Danke Dänemark ♡ ♡ ♡

Ihr Lieben, dieser Text ist wirklich sehr persönlich und ich ziehe mich sozusagen ein bisschen aus vor euch. Aber auch das gehört irgendwie dazu. Ich möchte Mut machen, euch motivieren ihr selbst zu sein und eure Frau zu stehen. Natürlich auch euren Mann aber meist lesen das hier eben doch Frauen und meine Themen treiben auch öfter Frauen an und um. Wenn es euch gefallen hat, dann hinterlasst mir gerne einen Gedanken dazu.
Eure Nina

Kommentare 2

  1. Liebe Nina,
    vielen Dank für Deine persönliche Geschichte und Deine Offenheit.

    Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn Menschen sich selbst aus einer schweren Zeit, einem Tief holen. Wenn sie trauern, aber auch bemerken, da gibt es ein Licht am Ende des Tunnels. Wenn sie anfangen sich selbst zu reflektieren und immer mehr hinterfragen, was diese erlebte Geschichte ihnen zeigen soll. Wenn sie wirklich anfangen alles aufzuarbeiten. Sie die Stille suchen. Den Weg gehen, den Weg zu sich selbst. Mit sich sein in der Stille, ruhig werden, Loslassen.
    Ja, und die Menschen gehen erst diesen Weg, wenn etwas einschneidendes passiert. Einen vertrauten Partner zu verlieren ist so ein einschneidendes Erlebnis. Ich wünsche jedem die Energie – trotz Trauer – in Aktion treten zu können und zu überlegen, was kann ich in dieser Situation jetzt für mich tun. Es gibt so viele Möglichkeiten in einer schweren Zeit zu wachsen.

    Liebe Nina, Du scheinst auf einem guten Weg. Vertraue weiterhin Deiner inneren Stimme, Deiner Intuition. Sie führt Dich in die Zufriedenheit, auch wenn dieser Weg immer mal wieder mit Angst verbunden ist. Das gehört irgendwie zum Menschsein dazu. Ich zumindest glaube, dass Du beruflich auf einem sehr guten Weg bist, dass das wirklich Potential hat.

    LG an euch 2
    Gaby

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