Hund und Mathematik – Der Knick in der Lernkurve

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Manche von euch werden sich bestimmt noch an die Schul- oder Studienzeit erinnern. Der Kopf war plötzlich voll mit neuen Themen. Besonders vor Prüfungen hatte man das Gefühl, es geht nichts mehr rein in den Schädel. Und manchmal meinten wir, wir hätten etwas Neues sicher gelernt und bei der Klausur war es einfach weg. Was für ein Pech, denn zwei Tage später erinnerte man sich plötzlich ganz genau an die Formel und konnte sie ohne Weiteres anwenden.

Dieses Phänomen beruht auf einer ganz einfachen Gleichung und nennt sich Lernkurve. Diese Lernkurve gibt es auch bei unseren Hunden und wir haben es alle schon erlebt. Wir bringen unserem Hund ein neues Signal bei und plötzlich führt er es nicht mehr aus. Er ignoriert uns sogar und wir haben die tollsten Gedanken. „Mein Hund nimmt mich auf den Arm!“ oder „Der stellt sich doof, der hat keine Lust.“ Dass wir unseren Hunden damit Unrecht tun, ist den wenigsten bewusst. Kein Hund macht etwas absichtlich und dann noch um uns zu ärgern. Er kann einfach nicht. Er steckt vielleicht gerade in einem Lernloch.

„Was ist das denn nun schon wieder?“ werden sich einige fragen. Eigentlich sollte euch das ein Hundetrainer oder die Hundeschule erklären können, denn darauf basieren so viele Missverständnisse, die man einfach zu Seite schieben könnte. Damit hat man natürlich nicht immer „die“ Erklärung für Fehlverhalten oder fehlendes Verhalten aber es zeigt uns, wie ein Hund lernt und wenn man das berücksichtigt, dann fällt uns das Training vielleicht einfacher. Zumindest kann es ein Grund dafür sein, wenn Signale nicht ausgeführt werden.

Kommen wir auf den ersten Abschnitt zurück. Auch Hund lernt viel und das muss er. Seine Lernkurve steigt ständig an, je steiler desto besser und schneller wird er lernen. Nur irgendwann ist Schluss damit, die Kurve stagniert und bleibt in der Waagerechten. So etwas nennt man dann Lernplateau und da passiert dann genau nichts! Das Lernen bzw. die Lernleistung wird schlechter. Sie kann sogar unter das bereits erreichte Lernziel sinken. Ein Loch entsteht und danach befindet sich unser Vierbeiner auf diesem Lernplateau. Seine Leistung ist dann so lala.

In der Praxis wäre das dann so. Ich bringe meinem Hund ein neues Signal bei. Dieses mache ich auf dem Hundeplatz zu einer bestimmten Uhrzeit. Fahre ich dann nach Hause und versuche das Signal nun dort abzurufen, schaut Hund mich wie einen Außerirdischen an. „Was möchtest du von mir?“ Mensch fragt sich natürlich ob sein Vierbeiner ihn gerade auf den Arm nimmt. Typisch. Also versuchen wir noch möglichst etwas Vernünftiges mit ihm zu machen z.B. ein Apportierspiel, denn das kann er und hat er bereits gelernt.

Zwei Tage später juckt es uns aber wieder in den Fingern und wir versuchen es mit dem neuen Signalwort, dass wir unserem Hund ja eigentlich auf dem Platz beigebracht hatten und welch Überraschung, es funktioniert! Nun kann es weitergehen mit dem Lernen und die Lernkurve startet wieder neu, bis zum nächsten Einbruch.

Auch das ist nicht gerade faires Lernen.
Auch das ist nicht gerade faires Lernen.

Was lernen wir aber nun daraus.
Als erstes, dass Hund Zeit braucht! Es geht nicht darum, dass er nicht will, sondern er kann auch einfach nicht. Diesen Effekt kann ein Hund nicht bewusst steuern. Wir können es ja auch nicht, wenn wir uns daran erinnern, dass Gelerntes sich plötzlich verflüchtigen kann. Außerdem kann unser Vierbeiner in so einem Moment andere Übungen erbringen und wir sehen, dass bereits verinnerlichte Signale gut sitzen und Zeit hatten, sich ihre Datenautobahn im Kopf zu suchen und diese zu festigen.

Kleiner Tipp: Einfach nach neuen Aufgaben eine kreative Pause machen. Der Hund soll auch seine Zeit haben und Neugelerntes verarbeiten können, z.B. im Schlaf. Hier werden Informationen vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis transportiert, wenn der Speicher voll ist. So sagt man zumindest. In dieser Phase ist der Hund „out of order“. Danach ist Platz für Neues und wir steigen wieder voll ein.

Jeder Hund ist unterschiedlich mit solchen Dingen beschäftigt. Sicherlich zeigen es nicht alle Hunde auffällig und bei manchen fällt uns vielleicht überhaupt nichts auf. Das kennen wir ja auch aus unserem Leben. Da gab es dieses eine Kind, dass immer alles wusste. Schrecklich! Meine Lernplateaus waren damals lang und die Löcher riesig, aber geschadet haben sie mir wohl auch nicht. 😉

Es gibt viele Faktoren, von denen eine Lernkurve abhängig ist. Z.B. von der Motivation des Hundes, der Ablenkung die am Übungsort herrscht, ist mein Hund eher schnell gefrustet, hat er Talent … Um nur einige zu nennen. Wir sehen also, Lernen ist vielschichtig und gar nicht so leicht. Infos müssen zusammengezogen und abgespeichert werden. Sie müssen automatisiert werden. Außerdem lernt ein Hund auch immer kontextbezogen. Aber was das bedeutet, erkläre ich euch beim nächsten Mal.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht ins Dunkle bringen. Gerade heute kam wieder die Frage auf, warum Hund denn das noch nicht kann? Er hätte es doch schließlich schon mal gemacht. Wie wichtig ist es dann, den Menschen abzuholen und dem Hund den Rücken zu stärken. So gehen dann alle mit einem besseren Gefühl nach Hause. Ich hoffe, ihr jetzt auch!

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