Was du nicht willst das man dir tu‘ …

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… das füg‘ auch keinem andern zu !

Warum glauben viele Menschen eigentlich, dass Hunde alles „ertragen“ müssten, was ein Mensch selber überhaupt nicht mag. Ok, vielleicht nicht alle und doch sieht man solche Beispiele immer wieder.

Deswegen bin ich auch ein Fan von den Zeichnungen von Lili Chin. Sie bringt auf ihren Bildern gut rüber, wann Hund sich unwohl fühlt. Sie macht anschaulich, was vielen anscheinend schwer fällt. Nämlich den eigenen Hund zu deuten bzw. seine eindeutigen Signale wahrzunehmen.

„Ich mag das nicht!“

Hunde sind sehr leidensfähig und vor allem auch sehr nett bis sie sich mal zur Wehr setzen, weil ihnen etwas wirklich auf den Wecker fällt. Vor allem, weil der Mensch so blind ist bzw. so unsensibel und ihn ständig übergeht.

Ja, ein Hund kann leider nicht reden. Oder vielleicht auch „Gott sei Dank“. Was müssten wir uns wohl alles anhören?! Trotzdem ist es wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass auch ein Hund nicht alles mag und auch nicht hinnehmen muss.

Beißvorfälle sind in solchen Situationen keine Seltenheit. Leider. Und meist das Aus für den Vierbeiner. Das ist verständlich, wer möchte schon gebissen werden?! Aber sollten wir uns in diesen Fällen nicht erst mal fragen, was wir evtl. falsch gemacht haben bzw. schon eine ganze Zeit lang übersehen oder gar ignoriert …

Viele Hunde zeigen ganz deutlich, dass sie etwas nicht mögen. Bestes Beispiel, das Streicheln auf dem Kopf oder eher unser tätscheln. Die meisten Hunde versuchen sich zu entziehen, sofort. Sie ducken sich weg. Ja, es sieht fast so aus als würde sich der Vierbeiner ekeln. Ganz deutlich und trotzdem klopfen wir munter weiter. Braves Hündchen.

Wildes streicheln an sämtlichen Stellen, völlig unrythmisch und hektisch, nervt auch den hartgesottensten Labrador. Umarmungen und nicht mehr los lassen, sowie über den Hund beugen in voller Montur, sind auch nur einige Beispiele, wie man es nicht machen sollte.

Ein sensibler Hund kann hier ganz schnell nach vorne gehen und sagen was Sache ist und das er so ein unverschämtes, unhündisches Verhalten vom Menschen nicht duldet. Erduldet er es allerdings zu lang, kann auch der netteste Hund irgendwann Stopp „schreien“, d.h. er knurrt, droht und kann im schlimmsten Falle beißen, weil er sich nicht mehr zu helfen weiß.

Anstarren, ist auch ein schönes Beispiel. Ich habe letztens überlegt, wie ich das eigentlich finde. Wir sagen ja, jemanden im Gespräch anschauen, gehört zum guten Ton. Ganz ehrlich, mir ist das oft suspekt, auch unangenehm. Gerade wenn ich jemanden nicht kenne, suche ich nicht ständig seinen Augenkontakt.

Natürlich schaue ich nicht andauernd weg oder woanders hin, aber ich starre niemanden an. Da kann ich die Vierbeiner verstehen. Hunde suchen durchaus Blickkontakt aber dann starren sie nicht. Denn mit einem Starren erfolgt meist Erstarren und das ist eine Sequenz aus dem Jagdverhalten …

Noch ein Beispiel: Von hinten einfach anrasen und die Schnauze fast in das andere Hundehinterteil schieben …

Schon mal daran gedacht, wie so etwas sein könnte?! Das möchte ich nicht weiter ausführen, aber auch das ist unhöflich unter Hunden und bei Menschen ja wohl auch! Warum sollte mein Vierbeiner das einfach hinnehmen ohne ordentlich auszuteilen???

Ich kann es verstehen, wenn der verfolgte Hund kurz mal durchdreht. Herrchen und Frauchen von dem „ach so freundlichen und immer Kontakt suchenden“ Vierbeiner sind auf einmal entsetzt bei so viel Gegenwehr. Der Ärger ist groß.

Würde ein Mensch aus einem Busch rennen, mich fixieren und dann noch meine Haare durchwühlen, könnte ich für nichts mehr garantieren! Und das würde auch kaum jemand anderes dulden.

Also bitte übertragt das doch mal auf eure Vierbeiner und denkt darüber nach, wie sie das wohl finden. Und vor allem macht die anderen auch darauf aufmerksam. Es geht hier nicht um Oberlehrer-Verhalten, sondern um Aufklärung im Sinne eurer Hunde.

Bestimmt fallen euch dazu noch viele andere Geschichten ein, mir auch. Der Vergleich mit kleinen Kindern hilft auch öfter. Würde ich es zulassen, dass meine 2 jährige Tochter von Fremden im Kinderwagen in die Wange gekniffen wird? …

Sich abzugrenzen und nein zu sagen, ist für uns oft nicht leicht. Hunde dagegen können das gut. Nur irgendwie ertragen wir oder die anderen das einfach nicht und bezeichnen das oft als aggressives Verhalten.
Ich denke, es ist angebrachtes Verhalten in den meisten Fällen.

Eure Gedanken dazu würden mich interessieren 🙂

Kommentare 3

  1. Hallo Nina, ja „leidensfähig“ trifft es wohl leider sehr gut, was die hündische Rolle in diesem unausgeglichenen Kommunikationsdebakel betrifft. Die wenigsten Hundebesitzer kennen sich mit den Körpersignalen ihres Vierbeiners aus. Es könnte sicherlich so manches Missverständnis oder im deutlicheren Fall, so mancher „Vorfall“ verhindert werden. Dein Artikel und die Illustration sind klasse…ob „aggressives Verhalten“ jedoch angemessenes Verhalten ist, vermag ich nicht zu sagen. Es kommt ja immer sehr auf den Einzelfall an. Aber ich pflichte dir auf jeden Fall bei, dass es wichtig ist, so zu kommunizieren, dass der Hund überhaupt nicht in die Breduille kommt um „NEIN“ sagen zu müssen. Danke für den Artikel und
    Liebe Grüße
    Danni

  2. der weisse hund 7. Juli 2016

    Huhu Danni, ich habe nicht geschrieben, dass aggressives Verhalten angebracht ist, sondern das wir ein vom Hund gezeigtes Verhalten oft schon als aggressiv empfinden. Dabei ist es ja erst mal nur eine Kommunikationsform, die der Hund wählt um etwas mitzuteilen. Und damit meinte ich, dass dies auch durchaus ein angebrachtes Verhalten ist, denn wie sonst sollte sich unser Vierbeiner äußern können, wenn wir ihn schon nicht verstehen?! … Hab ich das verständlich rüber gebracht? 🙂

  3. So hatte ich es auch nicht interpretiert . Ich verstand es im letzten Abschnitt als offene Frage an deine Leser, nicht als Feststellung deinerseits. Darauf habe ich reagiert…LG Danni

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