Wie dein Hund dich weiterbringt

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Es ist wirklich so. Der eigene Hund bereichert, macht Freude, bringt Spaß, aber auch oft eine Menge Problemchen und stellt einen immer wieder vor neue Herausforderungen. Ein Hund bringt dich definitiv an deine Grenzen. Und das ist auch gut so!

Ich beschäftige mich zur Zeit sehr viel mit den Themen Spiegelung, Reflexion, Übertragung usw., schon bedingt durch meine Fortbildung. Aber auch, weil es mich wahnsinnig interessiert, wie viel Einfluss wir eigentlich auf unsere Vierbeiner haben und nehmen, und sie auf uns. War das früher überhaupt kein Thema, wird dies heute nicht mehr ausgeblendet, sondern aktiv in das Hundetraining und Coaching mit einbezogen. Wichtig ist, dass man sich hier wirklich ernsthaft weiterbildet und nicht einfach drauf los interpretiert.

"Der Hund als Spiegel der Seele" von Silvia Hüllenkremer
„Der Hund als Spiegel der Seele“ von Silvia Hüllenkremer

Letztendlich hat es viel mit Einfühlen und Empathie zu tun. Das Wichtigste ist aber, einen Zugang zu dem Menschen zu finden, mit dem man gemeinsam arbeitet. Ohne dies, wird man nicht weit kommen. Natürlich kommen viele Menschen erst mal, weil sie ein „Problem“ mit ihrem Hund haben. Das hier oft etwas anderes dahinter steckt, stellt sich meist erst später heraus. Nämlich nach einem ausführlichen Erstgespräch und einer ersten aktiven Stunde, gemeinsam mit dem Vierbeiner. Sitz, Platz, bei Fuß wird oft schnell beigebracht und gelernt, aber die gemeinsame Kommunikation und die verschiedenen Bedürfnisse von Hund und Mensch, spielen meist eine viel größere Rolle und wie ich finde, auch eine viel wichtigere.

Selber habe ich das zu spüren bekommen am Anfang diesen Jahres. Hier hat sich in meinem Leben einschneidend viel verändert und das ganz plötzlich. Ich war im Ausnahmezustand und mein Hund dadurch auch. Das Schlimmste daran war, sie ist krank geworden. Richtig heftig und ich konnte nichts tun. Ich war völlig überfordert mit mir und mit Frida. Beim Tierarzt hatte ich immer nur das Gefühl, es wird ein Symptom kuriert, nicht aber die Ursache. Wie denn auch, das war ja keinem klar. Am wenigsten mir selber.

Home is where my dog is!
Home is where my dog is!

Im Nachhinein ist es mir so bewusst geworden. Ich habe gelitten und mein Hund auch. Sie hat es gespiegelt und ich möchte mich gerne dafür entschuldigen bei ihr, weil sie so viel von mir mitnimmt und wieder zurückgibt. Nach vielen Wochen und vielen Ängsten, ging es langsam bergauf. Was für eine schwierige Zeit für uns beide! Letztendlich aber auch sehr heilsam und gut. Wir haben einen Prozess gemeinsam durchlaufen, der uns beide an unsere Grenzen gebracht hat. Körperlich aber vor allem auch seelisch. Das schweißt zusammen und ich habe das Gefühl, dass Frida und ich uns in dieser Zeit, so nah wie nie zu vor waren und jetzt auch noch sind.

Momentan ist sie sehr ruhig und ausgeglichen, wenn man das von einem Terrier überhaupt behaupten kann. Bei ihr fällt so ein Verhalten sofort auf. Ich nehme sie schon länger fast überall mit hin und sie macht wenig Drama. Sind wir gereift? Beide? Bestimmt! Ganz sicher, sind wir gemeinsam wieder ein Stück zusammen und über uns hinaus gewachsen. Die Zeit macht vieles wett. Dass sie alle Wunden heilt, stimmt für mich nicht, aber sie kann vieles in andere Bahnen lenken und beruhigen.

Eine ganz besondere Verbindung ♡
Eine ganz besondere Verbindung ♡

Wenn man so eine Krise meistert, hilft das auch ungemein bei meinem Training/Coaching. Man weiß, wovon man redet und kann viel besser an solche Themen ran gehen. Natürlich sollte man nicht den Fehler machen, gleich von sich auf andere zu schließen. Man kann es nur als eigenen Wegweiser nutzen. Wichtig ist, den Blick für sich selber zu schärfen und sich nicht zu vergessen oder zu verlieren. Dann „funktioniert“ auch der Hund viel besser.

Seine Grenzen zu erkennen ist wichtig und auch ein Prozess, der einen manchmal kalt erwischt. Dabei nicht die Nerven zu verlieren, ist wahnsinnig schwierig. Oft möchte man sich verstecken, keinen mehr sehen und hören. Manchmal verliert man sogar Menschen auf diesem Weg, die einem lieb und teuer sind. Das ist schade, aber gehört wohl auch dazu. Den Hund in dieser Zeit nicht zu vernachlässigen, ist auch keine einfache Sache. Hat man nicht die Kraft für sich selber, wie soll man sie für den eigenen Vierbeiner aufbringen?

Manchmal können wir nicht anders ...
Manchmal können wir nicht anders …

Doch es geht und wir sollten versuchen, im Sinne des Hundes, uns in den Hintern zu treten. Wie oft habe ich Frida angeschaut und es hat mich traurig gemacht. Aber es war meine eigene Traurigkeit, die ich oft übertragen habe. Jetzt ist mir vieles bewusster und es geht mir wieder gut. Natürlich gibt es immer mal schlechte Tage, aber da drehen wir einfach nur eine stille Runde und lassen die Gedanken fliegen. Das ist menschlich und Krisen machen irgendwie auch stark.

Meine Hündin bringt mich definitiv weiter und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Sie ist mein eigenes Stimmungsbarometer und wenn sie wieder aufdreht, muss ich mich ganz schnell fragen, was ist in mir selber gerade los! Dann wird mir ihr Verhalten klarer und ich kann handeln. Heißt auch manchmal, unsere Aktivitäten abzubrechen, oder eben auf meine persönlichen Bedürfnisse gerade mal zu verzichten. Damit fahre ich viel besser und Frida auch.

Frida
Frida

Warum ich euch das erzähle? Weil wir viele Dinge, die uns gar nicht bewusst sind, uns durchaus bewusst machen können und mit ihnen arbeiten. Dann verändert sich einiges und vieles erscheint leichter, auch wenn es etwas dauert. Achtsamkeit hat noch nie geschadet und wir sollten achtsam mit uns, aber auch unseren Hunden umgehen. Euren Vierbeinern zuliebe, solltet ihr euch manchmal darüber Gedanken machen. Es lohnt sich ♡

Kommentare 4

  1. Liebe Nina, Du sprichst mir aus dem Herzen….ich mache mit Grizzly gerade eine ähnliche Phase durch und finde es ziemlich schwer….
    Danke für Deinen ehrlichen Artikel
    Rosemarie

  2. der weisse hund 26. Mai 2016

    Guten Morgen liebe Rosemarie, vielen Dank für dein Feedback. Ich denke, das betrifft viele von uns und es tut manchmal gut, einfach nur darüber zu reden oder eben zu schreiben. Es ist ein Herzensthema von mir und ich möchte euch damit ermutigen, nicht so schnell aufzugeben. Ich drücke dir feste die Daumen, dass es auch bei euch bald wieder besser läuft. Hast du Fragen, dann melde dich gerne. Liebe Grüße Nina

  3. Was für ein schöner Artikel liebe Nina!
    Es freut mich sehr, dass du in Frieda eine so liebe Seelenpartnerin gefunden hast 🙂
    Danke, dass du uns teilhaben lässt an deinen Erfahrungen. So etwas zu lesen tut gut!
    Hab einen schönen Feiertag!

    Anna

  4. der weisse hund 26. Mai 2016

    Liebe Anna, ich danke dir. Es tut gut zu wissen, dass meine Worte ankommen. Und ja, sie ist mein Fels in der Brandung, auch wenn sie oft sehr unruhig ist. Aber für sie muss ich stark sein. Ohne Frida, hätte ich wohl schon viel öfter aufgegeben. 🙂

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