Labbi am Anschlag

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Oder, Achtsamkeit will gelebt werden.

Heute hieß es nämlich wieder mit Achtsamkeit durch den Alltag. Wie schön für Petra, denn sie hatte somit ein Einzeltraining, da es heute keine weiteren Teilnehmer gab. Petra hat einen Labrador und dieser zeigt ihr sehr schnell ihre Grenzen auf. Das führt ganz oft zu massiven Konflikten. Denn nicht nur Petra kann sich kaum entspannen auf ihren Spaziergängen durch die Stadt, auch Max hat seine Probleme, denn er übernimmt ständig die Verantwortung für beide und alles.

Das geht auch schnell der Umwelt auf die Nerven. Wer möchte ständig von einem fast 28 kg schweren Labbi überschwänglich begrüßt und bedrängt werden?! Man hat schon seine liebe Not mit so viel geballter Kraft. Alles muss untersucht werden, Individualdistanz gibt es nicht und wird auch nicht eingehalten. Alles wird ungefragt erst mal überrannt! Wenn man selber eine zierliche Person ist, bekommt man sehr schnell ein weiteres Problem: Man kann sich und Hund kaum halten!

Somit haben wir erst mal versucht, Max sprichwörtlich den Wind aus den Segeln zu nehmen und runterzufahren. Ein hartes Stück Arbeit. An eine Auslastungsübung war in diesem Moment gar nicht zu denken. Es hätte den Vierbeiner nur noch zusätzlich gepuscht. Auch wenn es gut gemeint ist, aber auch Auslastung kann nach hinten los gehen. Wir denken immer, einem Arbeitstier etwas zu tun zu geben ist richtig. Grundsätzlich ja, aber wie gesagt, das ist wirklich von Hund zu Hund unterschiedlich.

Mit vielen Auszeiten und „der Erfindung der Langsamkeit“ haben wir es geschafft, Max etwas auf den Teppich zu holen. Frauchen war am Ende Schweiß gebadet und der Wunsch nach einem leichteren „Modell“ kam auf. Einfach mal los lassen zu können und die Leine nicht immer auf Anschlag, das Herz in der Hose und Puls auf 180.

Gott sei Dank, hat sie sich erlaubt, diesen Gedanken auszusprechen. Frust nach innen breitet sich aus und kann einen innerlich zerfressen. Es ist ja auch nicht schlimm, seinen Gefühlen und Problemchen Raum zu geben. Wir alle kennen das. Wir sind unzufrieden und hätten gerne sofort eine Lösung für unsere Baustellen. Hier konnte ich Petras Wunsch durchaus nachvollziehen und so kam mir die Idee, ihr für ein nächstes Coaching meinen eigenen Hund mit an die Leine zu geben.

Sie war direkt begeistert und auch ich finde diese Idee spannend. Da sich meine Hündin fast gar nicht für andere Hunde interessiert, ist sie in der Beziehung leicht zu führen. Ganz abgesehen von den 10 Kilos, die sie maximal wiegt. So kann man sich schon mal mental entspannen und mehr auf sich selber konzentrieren.

Was würde sich ändern? Natürlich nicht die Liebe zum eigenen Hund! Daran ist keiner interessiert, oder plant nach so einem Versuch den eigenen Vierbeiner ins Exil zu schicken. Aber ein Gefühl von, wie kann es sein und wie kann ich mir mehr Raum geben, mir mehr zutrauen und das wieder auf den eigenen Hund übertragen? Das wäre schon mal ein Anfang.

Oft sind wir durch so ein (gelerntes) Verhalten von vornherein schon blockiert und kommen nicht mehr raus aus dieser Spirale. Dies zu durchbrechen und die eigenen Stärken herauszufinden, ist Sinn dieser Sache. Das kann schon kleine Wunder bewirken. Datenautobahnen bilden sich ganz schnell in unseren Köpfen und vereinfachen oft auch Abläufe, aber eben nicht nur im positiven Sinne. Sowohl beim Menschen als auch beim Hund ist das so.

Petra wird es beim nächsten Mal ausprobieren und ich bin gespannt, wieviel Einfluss dies auf ihr eigenes Empfinden nehmen wird. Wir freuen uns beide darauf! Petra zu Liebe, haben wir heute keine Bilder gemacht. Das ist auch durchaus verständlich! Nicht jeder, möchte in so einer angespannten Situation „vorgeführt“ werden.

Max hätte damit wohl weniger Probleme. Er hätte die Kamera einfach aufgefressen. 😉

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