Kostenloses Hundetraining? Nein Danke!

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Der Preis ist heiß und Geiz ist geil. Diese und andere Sprüche kennen wir alle zur Genüge. Wenn ich so etwas lese, gehen bei mir die Nackenhaare hoch. Suggerieren sie uns doch, dass Geiz und wenig zahlen, egal welche Leistung und welcher Aufwand dahinter steckt, salonfähig geworden ist und man schön doof ist, wenn man nicht um Preise feilscht.

Selbstständige können davon sicherlich ein Lied singen. Warum ist das so? Haben Selbstständige automatisch viel Geld? Ich kenne keinen Einzigen! Haben Selbstständige vielleicht immer einen wohlverdienenden Partner an ihrer Seite? Äh, nein? Ich glaube nicht. Und die, die jemanden haben, denen sei es von Herzen gegönnt. Zu zweit ist vieles leichter. Aber darüber rede ich nun mal nicht.

Viele brauchen immer noch einen zweiten Job nebenbei, auf den man liebend gerne verzichten würde, aber es geht einfach nicht. Ständig fragt man sich, wie man das ändern kann, aber man braucht nun mal ein gewisses Budget um zu (über)leben. Geht es somit also um die eigene Komfortzone? Diese kann man ja mal runterschrauben, oder? Schon getan. Nein es geht um etwas anderes.

Es geht um die Preispolitik im Hundetraining. Und da fängt es auch schon gleich wieder an mit der Begrifflichkeit.

„Hundetrainer?! Ist das ein Beruf? Macht man das nicht nur so, nebenbei, aus Spaß und Passion? Aber dafür möchte man doch kein Geld haben, oder? Also, wenn ich meinem Hobby nachgehe, dann bezahlt mir ja auch niemand etwas dafür.“

So, oder so ähnlich, habe ich es schon oft gehört. Ist das schön? Nein. Ist das gerechtfertigt? Überhaupt nicht! Ich finde es eher frech und anmaßend, wenn Menschen denken, sie müssten unser Berufsbild belächeln. Sie wissen meist gar nicht, wie viel Herzblut, Aufwand und natürlich auch Geld man selber hinein steckt. Hundetrainer, das kann ja jeder! Na klar.

Das dieses „Berufsbild“ (Hundetrainer ist kein anerkannter Ausbildungsberuf) endlich ein paar Auflagen erhält, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn man kann etwas „nachweisen“. Auch wenn das Ganze umstritten ist. Zu Recht! Ein Dschungel aus Kompetenzgerangel und Klüngel hat sich dadurch gebildet und viele Trainer werden deswegen auch noch an ihre Existenzgrenze gebracht. Da kann ich froh sein, dass ich „nur“ mobil unterwegs bin.

Aber auch ohne Hundeplatz und Angestellte kostet mich mein Job Aufwand und ich habe auch Kosten. Weiterbildung ist z.B. so ein Thema. Kein Geld, keine Bildung. Toll. Für Hundetrainer gibt es keine einheitliche Ausbildung und man muss sie selber bezahlen, wenn man vernünftig arbeiten möchte. Hat sich jemand schon mal die Ausbildungskosten angeschaut? Ich würde dazu raten!

Zertifizierung in Hamburg

Meine eigene Preispolitik ist eigentlich eine ganz einfache und jeder kann sie wissen. 55,- Euro für die Stunde Einzeltraining. Und ich finde, dass ist vollkommen gerechtfertigt. Und ich entscheide alleine darüber. Heißt auch, wenn ich das Gefühl habe, jemand braucht Hilfe, kann es sich aber zur Zeit nicht leisten, dann schlage ich schon mal einen anderen Preis, oder eine andere Bezahlmöglichkeit vor. Es muss nicht mal sein, dass jemand kein Geld hat. Nö. Vielleicht hat derjenige ja etwas anderes nettes im Angebot. Z.B. eine Weihnachtsillustration gegen Hundestunden, s.a. „Wir lieben es.“. Super! Ich bin dabei. Natürlich gegen eine Rechnung. Somit hat alles seine Ordnung.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Leute enttäuscht sind, wenn sie einen Betrag X für ein erstes Gespräch hinlegen „müssen“. Ich frage mich, was erwartet mein Gegenüber von mir? Ein nettes Geplänkel ohne jegliche Informationen? Tut mir leid. Selbst am Telefon gebe ich meist Infos und Tipps und beiße mir auf die Lippe. „Du bist zu weich, Nina!“ Aber ich kann nicht anders. Ich liebe meine Arbeit. Nur für einen festen Termin, mit der Absicht etwas zu verändern, zu verbessern oder oder oder, möchte ich nun mal auch wertgeschätzt werden. Ihr etwa nicht???

Wertschätzung ist ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Woher kommt das nur, dass es immer möglichst billig oder günstig sein soll? Man geht in den Laden, schaut sich etwas an und bestellt es dann im Internet für weniger. Schöne neue Welt. Natürlich kann man so etwas auch beim Hundecoaching haben. Große Gruppen, kleine Preise. Meist heißt das aber, einer kommt immer zu kurz. Die Trainer verlieren die Übersicht. Problemhunde werden dann gerne schon mal wieder aussortiert, weil man sich mit denen in der großen Gruppe nicht rumschlagen möchte und zeitlich auch nicht kann. Es gibt viele unschöne Beispiele.

Deswegen mache ich hauptsächlich nur Einzeltrainings und ab und zu auch Stunden mit maximal 3 – 4 Hunden und ihren Menschen. So hat jeder etwas davon. Ich auch, ich werde jedem gerecht. Danach habe ich immer noch ein Ohr für meine Teams. Auch am Telefon, das gehört für mich dazu. Kein Band am Ende der Leitung oder so.

Ich mache meinen Job mit viel Herzblut und Liebe. Und dieses Gefühl möchte ich auch an meine Mensch-Hund Teams weitergeben, die sich für mich entscheiden. Ich möchte sie nicht enttäuschen. Aber wenn das alleine über den Preis beurteilt wird, dann bin ich wahrscheinlich nicht die Richtige in so einem Fall. Das kann ich nicht ändern und werde es auch nicht. Dafür gibt es ja unzählige andere Hundeschulen auf dem Markt und jeder kann frei wählen.

Komischerweise habe ich das Gefühl, dass bei der Ausstattung unserer Hunde, überhaupt nicht über den Preis nachgedacht wird. Nach oben gibt es kaum Grenzen. Hauptsache Hund sieht schick aus, Halsband passt zur Tasche usw.. Das neueste innovativste Futter muss es sein und auch Wellness und Co. stehen langsam auf dem Hunde-Stundenplan. Merkwürdig. Mit Erziehung und Ausbildung tut man sich schwer. Da greift man erst in die Geldbörse, wenn es meist zu spät ist und es richtig teuer wird …

Es gibt natürlich auch die anderen. Die, die einem so viel Wertschätzung entgegenbringen, dass die wenigen unschönen Momente in den Hintergrund treten. Diesen Menschen danke ich von Herzen. Sie machen meine Arbeit so liebenswert. Und das hat gar nichts mit einem Geldbetrag zu tun, sondern viel mehr mit ihrem Verständnis für eine wundervolle und durchaus anspruchsvolle Berufung.

Mich würde sehr stark eure Meinung zu diesem Thema interessieren. Seid ihr selbstständig, vielleicht auch in der Hundebranche? Dann freue ich mich über eure Gedanken und Einträge hier.

Kommentare 6

  1. DANKE!!! 🙂
    Ich bin auch als Trainerin unterwegs und ich mache die gleichen Erfahrungen. Dein Artikel trifft den Nagel auf den Kopf!

    Schade, dass man dieses Thema so deutlich auffassen muss… das ist wie mit dem Bitte und Danke, alles wird als selbstverständlich angesehen und bei uns kommt dann noch dazu, dass es kein anerkannter Beruf ist. Da muss es automatisch günstig sein :/
    Traurig!!

    LG
    Nicole

  2. der weisse hund 18. Februar 2017

    Liebe Nicole,
    es wird die meisten Trainer (be)treffen, die alleine unterwegs sind und nicht im großen Stil auftreten. Hast du ein Bezahlsystem auf deiner Webseite? Ich nicht aber ich denke ab und zu ernsthaft darüber nach, damit ich mich nicht weiter damit auseinandersetzen muss. Allerdings finde ich es schade, denn das heißt auch, dass viele sich gar nicht erst anmelden werden. Schwierige Sache und so unschön. Danke für deine Gedanken dazu.
    Liebe Grüße Nina

  3. Warning: printf(): Too few arguments in /var/www/virtual/der-weisse-hund.de/htdocs/wp-content/themes/blackwalnut/functions.php on line 364 19. Februar 2017

    Ich gebe dir vollkommen recht.

  4. Oft geht das Telefon mit der Frage in der Leitung :“Sind Sie Hundeschule? Was kostet das?“
    Wenn ich dann sage „Erstgespräch 65 Euro, egal wie lange und Einzeltraining 40 Euro“, wird gestottert und „Ich rufe noch mal an.“
    Was sie natürlich nicht tun.
    Selbst wenn es schon ermäßigt ist – wie bei meinen 10er Karten fürs Mantrailing- wird noch gefragt, ob ich nicht noch was runtergehen kann. „Mach doch 20er Karten und die dann noch was billiger!“ Nein, kann ich nicht, will ich auch nicht! Ich möchte nämlich auch gern von etwas leben dürfen.
    Zudem lote ich Gebiete zum Trainieren aus, fahre sie vorher ab, spreche mit Behörden, ob ich dort arbeiten darf. Laufe beim Training Kilometer um Kilometer, erkläre, helfe, gebe Tipps auch nach dem Training, helfe durch schwierige Situationen, die gerade gar nicht zum eigentlichen Training gehören.
    Ja, ich möchte wertgeschätzt werden. Und mein Wert liegt nunmal beim Festpreis.
    (Wobei ich auch schon Ausnahmen gemacht habe, ähnlich wie du, Nina…)

  5. der weisse hund 19. Februar 2017

    Liebe Claudia,
    oh ja, das kenne ich auch noch obwohl das eher der Vergangenheit angehört. 10er Karten und ähnliches gibt es bei mir nicht. Gab es auch noch nie. Das endet sowieso meistens im Chaos und ich kann ja auch Menschen einfach zwischendurch einen „Rabatt“ geben mit einer Mehrstunde oder einer anderen Kleinigkeit. Man muss einfach seinen eigenen Weg finden und sich nicht ärgern. Obwohl mir das eben manchmal dann auch nicht gelingt. Sonst hätte ich ja nicht darüber geschrieben. 😉 Ich danke dir für deine Gedanken.
    Einen lieben Gruß Nina

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