Welpentagebuch

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Frieda, jetzt 10 Wochen alt, furchtbar niedlich und langsam in ihrem neuen Rudel angekommen, entdeckt die Welt. Waren meine Welpeneltern noch etwas unsicher im Umgang mit der freien Wildbahn, haben sie nach unserem gestrigen Termin doch ihre Scheu vergessen. Herrlich war das! Man steht mit offenem Mund in der Gegend rum und grinst blöd, weil dieses kleine Fellknäuel einen einfach nur ver- und bezaubert. Auch wenn man viel mit Hunden zu tun hat, nimmt mich das immer wieder gefangen. Es berührt ganz tief drinnen, diese Neugier auf das Leben und diese Unbefangenheit. Man sollte sich immer gut überlegen, ob man diese Verantwortung für ein kleines Lebewesen wirklich übernehmen möchte. Siehe auch „Ein Welpe zieht ein“.

Assistentin Polly
Assistentin Polly

Eine Assistentin zu unserem Besuch hatte ich auch dabei. Polly, 9 Jahre und eine kleine sehr souveräne Parson Dame, die schon einige Erfahrungen im wahren Hundeleben hinter sich hat. Was soll da ein kleiner Welpe noch ausmachen. Ich finde es immer wieder spannend, was man von Hunden lernen kann. Vor allem eines, Ignoranz und Desinteresse. Frieda, völlig fasziniert von ihrem älteren Ebenbild, versuchte mit allen Tricks, Polly zum Spiel zu animieren. Fehlanzeige. „Ich sehe dich gar nicht!“. Was ein kleiner Hund so alles auffahren kann um Beachtung zu bekommen … Großartig, da nimmt man einiges mit. Jedem Hundebesitzer, der zu mir kommt, rate ich, sich auf eine Bank im Park zu setzen und die Vierbeiner und ihre Menschen zu beobachten. Plötzlich sieht man klarer 😉

Viele Fragen wurden gestern geklärt. Für und wieder abgewägt und manchmal rede ich wie ein Wasserfall. Meist merke ich es danach an meiner Stimme. Die beiden Mädels durften sich erst mal auf der großen Wiese austoben. Rennspielchen von Frieda im Geschirr und an langer leichter Leine, Nasenarbeit bei Polly – „Mäuschen“!!! Herrchen und Frauchen konnten schon die ersten Abruferfolge für sich verbuchen und sogar das Pipi machen, wurde schon ein bisschen unter Signal gestellt. Ich war total begeistert! Viele Dinge kommen aus dem Bauch und so versuche ich es auch zu vermitteln. Für mich gibt es keine starren Vorgehensweisen was Erziehung und Ausbildung betrifft. Beides sollte man auch unterscheiden. Erziehung ist das, was ein Hund lernen muss, verhaltenstechnisch. Ausbildung, was er lernen kann, wenn wir uns bemühen es ihm ordentlich zu vermitteln. Wenn man mit Ersthundebesitzern arbeitet, muss man improvisieren. Viele Dinge, die für mich schon ganz klar sind und die ich wahrscheinlich gar nicht ansprechen würde, sind für meine Hundeeltern völlig neu. Das ist auch für mich jedes Mal eine Herausforderung. Vor allem nicht zu viel zu vermitteln. Die Basis ist wichtig, alles andere findet sich mit der Zeit.

Von der Wiese aus, ging es immer am Wasser entlang Richtung Zuhause. Polly, die schon viel Zeit auf dem Wasser verbracht hat, schaffte es ganz unaufgeregt, die kleine Frieda für einen ersten Kontakt mit dem nassen Element zu begeistern. Die Pfoten standen schnell im kühlen Nass und es wurde ohne Kommentar einfach ad acta gelegt. Wieder ein Pluspunkt. Hat man eine älteren, erfahrenen und vor allem souveränen Hund dabei, kann man sich freuen. Der Welpe kann sich gut orientieren. Ja, das soll er natürlich am besten an seinen neuen Besitzern, aber auch in Welpengruppen lernen die Kleinen miteinander im Spiel, warum also nicht so. Es gibt nicht immer die passenden Gruppen und ehrlich gesagt, kann ein Hund auch ohne Welpenspiel etc. problemlos groß werden, davon bin ich überzeugt. Ein Trainer, der das im Auge hat und gezielte und moderierte Hundekontakte zulässt, kann das managen. Manchmal ist es sogar die bessere Alternative. Meine Meinung.

Es gibt viel zu entdecken!
Es gibt viel zu entdecken!

Wieder zu Hause angekommen, schnappte Polly sich direkt Friedas Kaustange und verzog sich in ihr Körbchen. Sehr zum Erstaunen des kleinen Hundes. Besuch im eigenen Korb und dann noch mit der Beute … Da wurde erst mal wieder groß gemacht und getan, damit man doch die Aufmerksamkeit bekam und somit vielleicht seine Kaustange zurück. Aber Polly lies sich nicht aus der Ruhe bringen und man hörte nur vereinzelte Knurrlaute. „Nicht näher kommen – verstehst du?!“ So gebrummt so getan. Erst wurde noch aus Frust der Wohnzimmerschrank angenagt, dann aber kehrte Ruhe ein. Mit Hilfe einer Hausleine ist das für Herrchen und Frauchen ganz einfach zu machen und man muss nicht jedes Mal seinem Welpen hinterher rennen, sondern hat so die Möglichkeit, den Hund in seine Richtung zu lenken. Schnell gab Frieda Ruhe und rollte sich ein, um diese Stunde zu verarbeiten. Welpen brauchen ganz viel Schlaf. Gerade ein Terrier muss lernen wieder runterzufahren! Das ist für mich eines der wichtigsten Dinge überhaupt. Auf 180 hat man sie schnell, sie wieder auf den Teppich zu bringen … Naja, das ist schon manchmal eine Herausforderung. Aber auch das kann ein Terrier lernen. Muss er, das sollten sich die Besitzer immer wieder vor Augen führen.

Zeit sich zu erholen.
Zeit sich zu erholen.

Friedas Eltern geben sich wahnsinnig viel Mühe und es ist so schön zu sehen, wie sie mit ihr zusammen wachsen und sich über diesen kleinen Wirbelwind freuen. Glückshormone pur! Das ist auch für mich eine tolle Erfahrung. Hier bin ich gefordert und spule kein Programm ab. Ich mache mir sehr viele Gedanken, damit alle auf einen guten, gemeinsamen Weg kommen und ein Zusammenleben für Mensch und Hund gelingt. Jeder hat seine Wünsche, aber es muss auch den Bedürfnissen entsprechend angepasst sein.

Wann wir Frieda wiedersehen? Wahrscheinlich auf unserem kommenden Beobachtungsspaziergang. Ich bin sehr gespannt, was wir noch gemeinsam erleben – Danke Frieda 🙂

 

Fehlt dir hier vielleicht eine genauere Ausführung zum Training oder Coaching? Jeder Mensch ist anders und jeder Hund auch. Deswegen gehe ich auch nicht detaillierter darauf ein, denn jedem Training und / oder Coaching geht ein sorgfältiges Erstgespräch voran. Jeder bekommt seine persönliche Begleitung, das würde hier den Rahmen sprengen. Möchtest du gerne mehr über meine Arbeit erfahren, dann würde ich mich freuen, dich kennen zu lernen. Gerne rufe ich dich auch an, damit wir gemeinsam deine Fragen klären können. Ich freue mich auf dich.

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Kommentare 2

  1. Neele Bock 30. November 2015

    Ach, ist das schön zu lesen, Nina! Ich erinnere mich so gern an diese Zeit zurück, als unsere Sammy noch klein war! Oh, was waren wir hilflos im Umgang mit ihr! Da hätten wir uns jemanden wie Dich an unserer Seite gewünscht!!! Im Nachhinein sehe ich auch unsere Stunden in der Welpengruppe sehr kritisch, und ich glaube auch inzwischen, dass das Sammy nicht gut getan hat. Das ist natürlich kein generelles Statement gegen Welpengruppen, aber die Trainer müssen dabei wirklich sehr genau hinschauen, sonst geht das Ganze nach hinten los… 🙁

  2. der weisse hund 30. November 2015

    Huhu Neele, ich war auch immer eine Verfechterin von Welpengruppen, aber sie müssen gut moderiert werden und meist sind es einfach zu viele Hunde und zu wenig Aufsichtspersonal … Immer mehr tendiere ich auch zum Einzeltraining mit eben diesen moderierten Kontakten. Aber grundsätzlich ist nichts gegen eine gute Welpengruppe einzuwenden. Wenn es eine gibt, die passt, sollte man sie auch nutzen.
    Dafür ist Sammy doch aber eine Granate geworden 😉

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