Gassi Service, HuTa & Co.

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Ich frage mich immer wieder, wie funktioniert das eigentlich? Warum gibt es so viele Anbieter für Hundetagesstätten, Gassi Services und Co.? Schaffen sich die Leute Hunde an, um andere dann davon profitieren zu lassen? Warum „müssen“ so viele Vierbeiner tagtäglich den halben Tag von Dienstleistern jeglicher Art versorgt, bespielt, hin und her gefahren und Ersatz gekuschelt werden? Ich schreibe absichtlich „müssen“, denn anders kann ich mir das nicht erklären. Würde man sonst auch auf die Idee kommen, seinen Hund irgendwo abzugeben, nur damit er mal Spaß hat – just for fun, only for the dog? Vielleicht zwischendurch, aber wenn ich mir die Preise anschaue, dann würde ich eher auf ein klares Nein tippen.

Des öfteren wurde ich von stolzen Besitzern eines Welpen gefragt, ab wann der Winzling denn in den Hundekindergarten darf? Ich bin ehrlich, diese Frage irritiert mich immer wieder. Ist es heutzutage so, dass wir uns einen Vierbeiner so unbedarft anschaffen und so unbedarft in andere Hände übertragen? Es gibt sicher eine Menge guter Argumente, die einen zwingen, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen und sich den geeigneten Anbieter auszusuchen. Aber seien wir mal ehrlich, ist das wirklich so? Oder überlegen wir nicht genau genug, ob die Anschaffung eines Hundes in unserem Alltag wirklich Sinn macht?

Ich selber habe mich auch schon dabei erwischt, meinen Wunsch nach Hund mit Hilfe anderer, z.B. Freund oder Familie, zu bewerkstelligen. Glücklicherweise blieb das Tier immer im familiären Umkreis dadurch. Richtig war es aber sicher nicht, so leichtfertig damit umzugehen. Damals gab es auch noch gar keine Kindergärten für Hunde, oder professionelle Dogwalker. Im Gegenteil, da musste dann Mutti ran. Im Nachhinein habe ich mich noch darüber beschwert, dass mein Hund zu dick wurde und gar nicht mehr hören wollte. Letztendlich ist der Hund dann bei meinen Eltern eingezogen … Tja, denkt man mal weiter, wäre das sicher auch ein Kandidat für ein Tierheim geworden. Denn ich hätte mir zur Studienzeit niemals einen Sitter leisten können!

Setter an der Elbe

Aus Gesprächen mit Freunden erfahre ich schon mal, dass so eine wöchentliche Unterbringung fast so teuer wird, wie eine kleine Wohnungsmiete. Das mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber letztendlich schlägt eine HUTA sich mit ca. 400,- Euro im Monat zu Buche. Ich lasse das mal umkommentiert. Mir geht es nicht darum die Anbieter zu verteufeln wegen ihrer Preispolitik, wir zahlen es ja gerne. Es geht auch nicht darum, dass ich dieses Angebot grundsätzlich schlecht finde. Meist arbeiten dort schon ausgebildete und erfahrene Menschen, die sich gründlich mit dem Thema Hund auseinander gesetzt haben. Nein, es geht viel mehr um die Frage „Warum möchte ich einen Hund, warum jetzt und habe ich Zeit für ihn?“. Natürlich kann immer etwas in meiner Planung dazwischen kommen, aber mache ich mir vorher keinen Plan, ist das auch fahrlässig dem Hund gegenüber. Das sollte ich mir wirklich durch den Kopf gehen lassen. Was kann evtl. passieren und was habe ich eigentlich davon, wenn sich andere kümmern müssen?

Man sieht allen Anbietern nur vor die Stirn. Genau so ist es mit Hundetrainern auch! Ich muss ihn und seine Arbeit erst kennen lernen und mich wohl fühlen. Dann habe ich etwas davon und vielleicht kann mein Hund dann auch davon profitieren. Sicher ist das aber nicht. Nur weil ich XY Gassi Service sympathisch finde, muss mein Vierbeiner sich noch lange nicht wohl fühlen in der Gruppe. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste einen ganzen Arbeitstag mit Menschen verbringen, die ich nicht riechen kann, dann hätte ich übelste Magenschmerzen. Wüsste ich dann, dass dies an 5 Tagen die Woche so geht, dann würde ich mich krank melden.

Mein Vorteil ist, ich kann reden! Hunde können es auch, aber eben anders. Wenn ich aber nicht dabei bin, bekomme ich wahrscheinlich davon nichts mit. Ist die HUTA so ehrlich und sagt mir, wenn es nicht passt, mein Hund ständig gemobbt wird, oder apathisch in der Ecke liegt? Eine Freundin von mir, hatte ihren Hund bei einer sehr bekannten Tagesstätte für eine zeitlang in Obhut. Die Hochglanz Welt im Internet mit ihren schönen Bildern ist immer nett. Nur das, was man nicht sieht, das ist entscheidend. Der Hund wurde nach ein paar Wochen abgemeldet und durfte bei Frauchen bleiben. Sie hat sich für den Hund entschieden. Schwierig aber richtig. Sie ist auf der Jobsuche, nur noch mit Hund!

Warum ich das schreibe? Damit wir Menschen uns Gedanken machen. Damit wir hinsehen und hinfühlen im Sinne unserer Hunde. Wir müssen für sie Entscheidungen treffen, aber nicht auf ihre Kosten, nur weil wir mal einen Hund wollten. Mich erschreckt es sehr, dass der Vierbeiner heutzutage zu einer Art Modeartikel, einem Accessoire verkommt. Es ist uns wichtiger, wie er ausgestattet wird, wie viele Körbchen in der Wohnung stehen und ob das Futter auch Bio ist. Nur leider vergessen wir oft das Wichtigste, nämlich seine wirklichen Bedürfnisse, seine Herkunft und das, was einen Hund ausmacht. Darüber sollten wir uns Gedanken machen. Dann würden wir auch nicht so viel Geld an diese immense Industrie verlieren, die das Thema Hund bedient.

Ich könnte noch viel dazu schreiben, aber ich höre jetzt auf. Während ich hier sitze, liegen zwei eingerollte Hunde neben mir in ihrem Feudalkörbchen und schlafen. Manchmal frage ich mich, ob sie ihr Leben wirklich genau so lieben, wie ich sie? Ich meine es beantworten zu können, aber sicher bin ich mir nicht. Deswegen gehe ich jetzt eine Runde spazieren und genieße die Zeit mit ihnen.

Polly Frida Strand

Wer sich persönlich angegriffen fühlt, dem möchte ich nur sagen, auch ich bin nicht perfekt und weit davon entfernt. Aber auch ich habe mir nach vielen unschönen Erfahrungen geschworen, mir die Frage „Wie fühlt sich eigentlich mein Hund dabei?“ ehrlich zu beantworten, im Sinne des Hundes. Dann sollte man auch danach handeln oder es zumindest versuchen. Wenn man persönliche Einschnitte erfährt und man hat keine andere Wahl, dann ist der Gassi Service oder die HUTA des Vertrauens, die richtige Wahl. Denn auch ein Hund, der zu Hause bleiben darf, aber überhaupt keine Ansprache oder Beschäftigung erfährt, hat es auch nicht besser getroffen!

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  1. Ich bin kein großer Fan von Hundepensionen und Co – meine Hunde lernen früh, mal für ein paar Stunden allein zu bleiben und ich habe das Glück, weitestgehend von zu Hause aus oder aber im hundefreundlichen Umfeld arbeiten zu können.

    Nachdem mein erster Hund – quasi der Familienhund, der zB während meines Studiums größtenteils bei meiner Mutter gelebt hat – verstorben ist habe ich mir genau überlegt, wie und ob ich einem Hund gerecht werden kann und Pension war dabei nicht wirklich eine Option. Meine Mutter erklärte sich dann bereit, im Zweifelsfalle mit für den Hund zu sorgen, inzwischen hat sie selbst einen (weil der halbe irgendwann nicht mehr genug war ;)) und wir unterstützen uns gegenseitig – möchte ich mal über Nacht weg, bleibt Bela bei ihr, muss sie ins Krankenhaus etc, nehme ich Gitte zu mir. Beide Hunde kennen beide Wohnungen, haben jeweils ihr Körbchen bei Frauchen _und_ Zweitfrauchen und sehen sich idr täglich. Fällt mal einer aus, bleibt der Hund also im ‚Rudel‘ – und genau das finde ich wichtig.

    Natürlich kann es immer passieren, dass man mal auf einen professionellen Hundesitter zurückgreifen muss, Unfall, Krankheit oder sonstige komplizierte Umstände lassen sich nie ganz beherrschen, aber der Gedanke der Hundetagesstätte als ‚Luxusurlaub‘ für den Hund… ganz ehrlich, das halte ich für gefährliche Vermenschlichung. Meine Hunde sind, soweit ich es beurteilen kann, am glücklichsten, wenn sie mit ihrem kompletten Rudel – ich, meine Mutter, der Zweithund – und gern auch noch ein paar Freunden draußen unterwegs sind. Bei beiden bin ich mir sicher, dass sie auch die Zweisamkeit mit Frauchen genießen. Die Betten, das Futter und die Accessoires in Hundepensionen mögen noch so erstklassig sein, das Zuhause und die Familie kann das imho nicht ersetzen.

    Ich bin tatsächlich auch sehr wählerisch, wenn es darum geht, wem ich meinen Hund anvertraue. Woody, besagter Familienhund, war deshalb durchaus auch mal mit mir im Studentenwohnheim oder sogar in der Uni, wenn es sich nicht anders einrichten lies – er hatte diverse Eigenarten, bei denen ich mir nicht sicher war, wie gut andere damit hätten umgehen können. Meine Mutter trainert ebenfalls mit Gitte und ich weiß, dass sie sich an Regeln hält, Bela auch bei ihr keinen Leinenkontakt hat, nichts vom Tisch bekommt etc. Wäre das nicht gegeben, stünde ich schon vor einem ziemlichen Problem – aber ob ich mir dann einen Hund angeschafft hätte…? Ich hoffe nicht.

    Ich habe selbst schon Hunde in Pflege genommen und betreut, während die Halter im Urlaub waren. Imho ist private Betreuung meist noch das kleinere Übel, wenn man jemanden findet, der den Hund kennt, die Erziehung mit trägt und wo sicher ist, dass der Hund Familienanschluss hat und entsprechend behandelt wird. Aber selbst in der Situation… nein, einfach anvertrauen würde ich meine beiden so gut wie niemandem. In Ruhe Urlaub machen wäre dann sowieso nicht drin…

  2. Der Weisse Hund 21. Oktober 2015

    Liebe Fuin, Estel, Psi 😉 Verrate mir irgendwann mal deinen Namen!
    Ich freue mich sehr über deinen ausführlichen Kommentar. Grüße an deine Mutter, sehr vorbildlich, dass sie auch mit den Hunden übt. Meine hat erst mal lieber Leberwurst Brötchen für alle geschmiert. Aber wenn ich sie nicht gehabt hätte, wäre einiges schwieriger gewesen!

  3. Socke-nHalterin 22. Oktober 2015

    Das Leben ist manchmal nicht planbar und vorhersehbar. So erging es uns auch. Wir mussten im September eine Betreuung für unseren kranken Hund suchen. Ich nehme nunmehr einen Tag Urlaub pro Woche, arbeite an zwei Tagen zu Hause und an zwei Tagen haben wir etwas für Socke gefunden. Wir hatten so ein Glück. Es ist immer schwer andere Menschen zu kritisieren, wenn man die genauen Umstände nicht kennt. Jeder der seinen Hund liebt, der will nur das Beste für ihn und wird tun, was möglich ist. Und ist das nicht so, dann hat der Hund es bei dem Hundehalter ja auch nicht richtig gut, oder?

    Ob es das immer gibt, ob es realisierbar ist, ist eine zweite Geschichte. Wir haben , nachdem wir Socke bekamen, mal eine HUTA ausprobiert. Es gab keinen Anlass, aber wir suchten etwas für den Notfall. Die Inhaberin meinte Socke sei kein Hund für die HUTA. Sie braucht eine Einzelbetreuung mit Familienanschluss, da sie sich sehr am Menschen orientiert. Planbar ist also wenig. Aber ich denke der gute Wille, Flexibilität, eine gutes Bauchgefühl und ein Auge auf seinen Hund, ist schon viel wert.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  4. Der Weisse Hund 22. Oktober 2015

    Hallo Sabine, du hast sicher Recht, kritisieren ist immer leicht wenn man nicht in der Situation des anderen steckt. Aber das war auch gar nicht meine Intension. Mir geht es viel mehr darum, dass Bewusstsein für die Anschaffung eines Hundes zu schärfen und sich vorher gut zu informieren. Ich glaube auch, dass die wenigsten, die später in eine Notsituation geraten, sich vorher keine Gedanken gemacht haben. Ich kenne mehr positive Beispiele als negative, aber der Trend ist nun mal leider ein anderer zur Zeit. Ich glaube einfach, dass wir ganz oft in unserer „Spaßgesellschaft“ überfordert sind und Hunde, genauso wie Kinder übrigens auch, zwischen die Fronten geraten. Aber jeder soll und darf auch seine Meinung dazu haben. Deswegen finde ich eine ehrliche Meinung zu den Dingen immer gut! Danke dir dafür 🙂

  5. Socke-nHalterin 22. Oktober 2015

    Ja, aber bei der Anschaffung von Socke sind wir davon ausgegangen, dass meine Mann diese Stelle dauerhafr hat. Und natürlich haben wir nie gedacht einmal eine so kranken Hund zu haben. Weißt Du, ein lebt 15 Jahre und da passiert so viel, dass man einfach nicht planen kann. Ich finde es wichtig, dass jeder Hundehalter immer versucht das Beste für seinen Hund zu geben. mehr kann man nicht erwarten.

    Wir haben ganz liebe Betreuungsmöglichkeiten gefunden und sind soooo dankbar. Und dennoch wussten wir nicht, ob Socke das mit ihren Erkrankungen verträgt. Es war ein Glücksspiel, dass zum Glück gut ausgegangen ist. Aber wissen, wissen kann man das nicht.

    Ich hoffe, dass Du verstehst, was ich meine. Es lässt sich nicht alles planen und vor der Anschaffung eines Hundes alles in Erwägung ziehen. Was nicht geht ist, leichtfertig mit solchen Situationen umzugehen. nein, da hast Du Recht. Das hat keiner unserer Hunde verdient. Und ich glaube Dir auch, dass es da ganz üble Beispiele gibt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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